Haustierabschüsse: Hunde und Katzen im Visier der Jagd

Rund 22.000 Menschen haben mit unserer Petition gegen Haustierabschüsse ein klares Zeichen gesetzt: Haustiere sind keine Zielscheiben. Dennoch erlaubt die Gesetzeslage in Österreich weiterhin ihren Abschuss auf fast der gesamten Staatsfläche. Was wir dagegen tun, bessere Lösungen und mehr – HIER!

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Auf einen Blick

  • Haustierabschüsse sind in Österreich in allen Bundesländern – auf rund 98 % der Staatsfläche – erlaubt
  • Tierhalter:innen steht meist keine Entschädigung zu und häufig noch nicht einmal eine Meldepflicht an die Behörden
  • Besonders Katzen sind betroffen, sie dürfen je nach Bundesland bereits 200 m von ihrem Zuhause entfernt getötet werden
  • In Tirol und Oberösterreich dürfen Hunde und Katzen sogar dezidiert nachdem sie in Lebendfallen gefangen wurden, getötet werden
  • Ein aktuelles Rechtsgutachten belegt, dass Haustierabschüsse verfassungswidrig sind
  • Mehrere europäische Länder haben Haustierabschüsse bereits verboten

Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern

In allen Jagdgebieten – also auf rund 98 % der Staatsfläche – dürfen Haustiere grundsätzlich erschossen werden. Das betrifft nicht nur Wälder, sondern auch Felder und Wiesen. Da Haustierabschüsse Ländersache sind, entsteht ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Regelungen, die sich teils erheblich unterscheiden.

Hier ein paar Beispiele:

  • Burgenland: Ein Hund kann bereits als präventive Maßnahme erschossen werden, wenn er sich vorübergehend seinem Menschen entzieht.
  • Katzenregelungen: Abstandsregeln zu Wohngebäuden reichen von 200 m im Burgenland bis zu 1.000 m in Tirol oder unspezifischen Formulierungen wie „im Wald“ in Kärnten.
  • Tirol und Oberösterreich: Hunde und Katzen dürfen sogar dann getötet werden, wenn sie in einer Lebendfalle sitzen.
  • Kärnten: Liegt Schnee, kann dies als ausreichender Grund gelten, um freilaufende Hunde zu erschießen.
  • Steiermark: Hier variiert die Abschusserlaubnis nach Jahreszeit. Im Sommerhalbjahr darf jeder freilaufende Hund getötet werden, im Winter nur bei „konkreter Gefährdung“.

Während Jagdhunde zudem ausdrücklich von Abschussregelungen ausgenommen sind, erfolgen Abschüsse von Familienhunden meist dezidiert entschädigungslos. Bei Familienhunde gelten manchmal noch Kriterien zur Rasse oder körperlichen Konstitution. Diese Regelung soll anzeigen, ob ein Hund Wildtiere gefährden könnte. In der Praxis sind diese Zusätze jedoch wenig sinnvoll: Auch von einem kleinen Hund kann behauptet werden, dass er z.B. ein Rebhuhn gefährde.

Die Tötung von Haustieren erfolgt rechtlich meist im Rahmen des sogenannten Jagdschutzes. Das bedeutet, dass Wildtiere für die Jagd vorbehalten sind und deshalb geschützt werden sollen – etwa Rehe, Fasane oder Hasen. Es geht also nicht vorrangig um Tier- oder Naturschutz, wie gerne behauptet.

Der Begriff „Jagdschutz“ findet sich beispielsweise im Burgenländischen Jagdgesetz. Andere Bundesländer verwenden mittlerweile teils Begriffe wie „Wildschutz“. Inhaltlich ändert sich dadurch nichts: Ziel bleibt weiterhin, Tiere für den Abschuss zu sichern. Die österreichischen Jagdgesetze behandeln Tiere also unterschiedlich, je nachdem, welchen „Wert“ sie für Jäger:innen haben.

22.000 Stimmen an der Fassade des Bundeskanzleramts

Am 18. März 2026 haben wir vor dem Bundeskanzleramt eine Protestaktion durchgeführt. Die damals fast 22.000 Unterschriften unserer Petition „Haustierabschüsse stoppen – JETZT!“ wurden als großflächige Projektion auf die Fassade des Gebäudes geworfen, um zu verdeutlichen, dass die Bevölkerung endlich ein bundesweites Verbot von Haustierabschüssen fordert.

Haustierabschüsse sind seit Jahrzehnten ein Thema im Tierschutz. In den letzten Jahren konnten wir zumindest einzelne Verbesserungen erreichen. So ist etwa in Niederösterreich der Abschuss seit heuer zumindest nicht mehr verpflichtend, worauf sich in der Vergangenheit oft berufen wurde.

Erheblichen Druck dafür haben wir mit dem (noch anhängigen) Volksbegehren für ein bundeseinheitliches Jagdgesetz gemacht, das wir 2022 zusammen mit dem VGT, der AG-Wildtiere und dem Ökologischen Jagdverband Österreich gestarteten haben. Ein bundeseinheitliches Verbot von Haustierabschüssen ist dabei eine der Kernforderungen. Doch noch ist unser Ziel nicht erreicht.

Warum Haustierabschüsse auf die politische Agenda gehören

Anlass für unsere aktuelle Petition waren mehrere erschütternde Fälle von erschossenen Haustieren in kürzester Zeit. Am 13. Januar 2026 wurde die Australian-Shepherd-Husky-Mischlingshündin Bailey (Titelbild) in  der Steiermark von einem Jäger erschossen. Der 48-jährige Schütze gab an, er habe Bailey in der Dunkelheit für einen Fuchs gehalten – 17 Meter vor seinem Hochstand auf einer Wiese. Sie trug ein Halsband und eine reflektierende Warnweste.

Nur wenige Wochen zuvor, am 27. Dezember 2025, wurde Border Collie Cooper in Oberösterreich erschossen. Cooper lief bei einem Spaziergang nur wenige Meter vor seinem Halter auf einem Forstweg, als ihn ein 84-jähriger Jäger vom Hochstand aus, mit einer Schrotflinte erschoss. Es war helllichter Tag und auch Cooper trug ein reflektierendes, neonfarbenes Brustgeschirr. Trotzdem erklärte der Schütze er habe den Hund mit einem Fuchs verwechselt.

Öfter noch als Hunde, geraten Katzen ins Visier, da sie meist ohne ihre Halter:innen unterwegs sind. Besonders erschütternd war der Fall von Katze Peach aus Niederösterreich: Sie geriet in die Lebendfalle eines Jägers und wurde darin durch einen Kopfschuss getötet. Unsere Anzeige blieb folgenlos.

Fehlende Transparenz und fehlende Statistik

Ein großes Problem ist die mangelnde Transparenz. In mehreren Bundesländern müssen Abschüsse nicht zwingend an Behörden gemeldet werden. Teilweise besteht nicht einmal eine Verpflichtung, die Besitzer:innen eines getöteten Haustieres zu informieren. Das führt dazu, dass es keine verlässliche Statistik darüber gibt, wie viele Hunde und Katzen jährlich sterben.

Vor allem Katzen-Halter:innen erfahren oft nicht, was mit ihren verschwundenen Tieren passiert ist. Nachdem ihre eigenen Katzen im Burgenland auf unerklärliche Weise verschwanden, begann Katzenaktivistin Melinda Ciorba, systematisch nachzuforschen und dokumentierte innerhalb von nur 16 Monaten über 560 vermisste Katzen im Burgenland (unser Interview mit Frau Ciorba HIER). Viele davon sind vermutlich der Jagd zum Opfer gefallen – von Schleswig-Holstein ist bekannt, dass zwischen April 2023 und März 2024 etwa 2.500 Katzen erschossen wurden.

Gleichzeitig erschwert diese Intransparenz auch rechtliche Schritte gegen rechtswidrige Abschüsse. Für betroffene Tierhalter:innen bedeutet das, dass sie kaum Möglichkeiten haben, den Tod ihres Haustieres juristisch aufzuarbeiten und in vielen Fällen auch nie erfahren, was passiert ist.

Rechtsgutachten: Haustierabschüsse sind verfassungswidrig

Ein aktuelles Rechtsgutachten von Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner (2025) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Abschuss von Haustieren ist verfassungsrechtlich problematisch, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar (HIER mehr zum Gutachten).

Die ersten Regelungen zum Abschuss von Haustieren entstanden vor mehr als 300 Jahren. Damals stellten streunende Hunde und Tollwut tatsächlich ein großes Problem dar. Seitdem hat sich die Situation grundlegend verändert. In Österreich gibt es heute offiziell keine Streunerhunde mehr.

Bei Katzen stellt unkontrollierte Vermehrung zwar weiterhin eine Herausforderung dar. Doch internationale Erfahrungen zeigen klar: Kastrationsprogramme sind die wirksamste und tierschutzgerechteste Methode, um dieses Problem zu lösen.

Im Gutachten wird festgehalten, dass die Jagdgesetze nicht mehr mit dem heutigen Verhältnis zwischen Menschen und ihren Haustieren vereinbar ist. Daher greift ihre Tötung nicht nur in das Eigentumsrecht der Halter:innen ein, sondern widerspricht auch dem verfassungsrechtlich verankerten Staatsziel Tierschutz. Besonders kritisch sei auch die Ungleichbehandlung: Während Jagdhunde ausdrücklich geschützt sind, dürfen Familienhunde oder Katzen weiterhin erschossen werden.

Andere Länder sind weiter

In vielen europäischen Ländern ist der Abschuss von Haustieren heute undenkbar. Länder wie Italien, Slowenien, Kroatien und Dänemark haben deutlich strengere Schutzregelungen. Dänemark hat den Abschuss von Haustieren 2014 sogar ausdrücklich gesetzlich verboten.

Eine moderne Gesetzgebung, die Haustiere schützt, ist also durchaus möglich. Zum Schutz der Wildtiere sind vor allem Kastrationsprojekte erfolgreich und notwendig. Deshalb fordern wir u.a. eine lückenlose Katzen-Kastrationspflicht in Österreich und unterstützen im Ausland regelmäßig Kastrationsaktionen.

Unsere Lösungen für die Landesregierungen

Die Jagdgesetze liegen in der Kompetenz der Bundesländer. Sie können und müssen handeln. Wir schlagen konkrete und praxistaugliche Maßnahmen vor:

  • Ein klares Verbot der Tötung von Haustieren in allen Landesjagdgesetzen
  • Verpflichtende psychologische Eignungstests für Jagdscheinbesitzer:innen
  • Ein Alkoholverbot bei der Jagd mit wirksamen Kontrollen
  • Den sofortigen Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei schweren Verstößen

Diese Maßnahmen würden nicht nur Haustiere besser schützen, sondern auch die Sicherheit für Menschen erhöhen.

Nach dem Grazer Attentat wurde 2025 das österreichische Waffengesetz verschärft. Für viele Waffenbesitzer:innen gelten seither verpflichtende psychologische Eignungsgutachten.

Doch ausgerechnet die ca. 139.600 Jagdscheinbesitzer:innen sind weiterhin ausgenommen. Damit entsteht ein riskantes Schlupfloch: Menschen mit Jagdschein dürfen gefährliche Schusswaffen besitzen und im öffentlichen Raum jagen, ohne denselben Sicherheitsüberprüfungen zu unterliegen wie andere Waffenbesitzer:innen.

Fazit: Österreich braucht endlich moderne Jagdgesetze

Haustierabschüsse sind kein Naturgesetz, sie sind das Ergebnis veralteter gesetzlicher Regelungen. Andere Länder zeigen längst, dass moderne und tierschutzgerechte Lösungen möglich sind. Auch Österreich soll diesem Beispielen folgen und Haustiere endlich wirksam schützen.

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Bitte unterstütze unsere tierschutzpolitische Arbeit. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass Haustiere in Österreich endlich besser geschützt werden.

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