Gespräch: Melinda Ciorba – eine Stimme für Katzen

Melinda Ciorba hat im Burgenland in nur 16 Monaten über 560 vermisste Katzen dokumentiert. Warum viele Katzen verschwinden, was wir dagegen tun können und mehr – HIER!

Sie engagieren sich für vermisste Katzen. wie kam es dazu?

Meine Nachforschungen zu den vermissten Katzen begann, als nach unserer ersten auch unsere zweite Katze verschwand. Zusammen mit meiner Tochter gründete ich eine Facebookseite für unsere Ortschaft, um anderen Betroffenen eine Plattform zu bieten und Informationen zu sammeln. Anfangs dachten wir, dass wir es vielleicht mit einer Einzelperson zu tun haben könnten, die absichtlich Tiere quält.

Ich beschloss, durch Öffentlichkeitsarbeit Licht ins Dunkel zu bringen. Leider blieben hilfreiche Hinweise auch nach Medienartikeln aus. Also kontaktierte ich auf eigene Faust Tierschutzorganisationen und betroffene Katzenbesitzer:innen, und begann, eine detaillierte Liste vermisster Katzen anzulegen. Es wurde mir schnell klar, dass das Problem weit über unser Dorf hinausging. Ich bin gerade daran, alles Erlebte in einem Buch aufzuarbeiten. Noch diesen Mai soll es hoffentlich erscheinen.

Welche Ursachen für das Verschwinden der Katzen konnten Sie ausmachen?

Mittlerweile weiß ich, dass die Gründe vielschichtig sind. Viele Katzen verschwinden leider spurlos, ohne Hinweise zu hinterlassen, was mit ihnen geschehen sein könnte. Einige ertrinken in Pools oder fallen dem Straßenverkehr zum Opfer – ein  trauriger Umstand, der (da eine systematische Dokumentation von Totfunden fehlt) oft unbemerkt bleibt.

Tier- und ARTENSCHUTZ DURCH EIN BUNDES-JAGDGESETZ!

Der Abschuss von Haustieren muss verboten werden! Zusammen mit dem ökologischen Jagdverband, dem VGT und anderen Expertinnen und Experten fordern wir Tier- und Artenschutz in der österreichischen Jagd! 

Volksbegehren unterstützen! 

Wenn Sie sich für Tier- und Artenschutz einsetzen wollen, unterschreiben sie unser Volksbegehren für ein Bundeseinheitliches Jagdgesetz, wo wir auch noch andere wichtige Reformen fordern, um die Jagd ökologisch und tierschutzgerecht zu machen!

 

Neben den offensichtlichen Gefahren durch Verkehr und Unfälle stießen wir auch auf erschütternde Fälle von Tierquälerei und sogar Jagd auf Haustiere. Es ist ein schweres Los, akzeptieren zu müssen, dass solche Grausamkeiten in unserer Gesellschaft vorkommen. Besonders alarmierend finde ich, dass manche Jäger:innen Katzen und Hunde absichtlich fangen und töten und dafür nicht bestraft werden. Diese Entdeckungen haben mich zutiefst erschüttert, aber auch meine Entschlossenheit bestärkt, für die Rechte und den Schutz unserer Katzen zu kämpfen.

Wie reagierten die Behörden auf Ihre Bemühungen?

Die Reaktionen der offiziellen Stellen waren mehrheitlich entmutigend. Trotz der eindeutigen Beweise und über 560 vermisster Tiere innerhalb von 16 Monaten stieß ich oft auf Desinteresse und Ablehnung. Es schien, als würde die Schwere des Problems unterschätzt oder gar ignoriert. In den wenigen Antworten, die mir zugesandt wurden, wurde zwar anerkannt, dass Katzen verschwinden, aber keine konkreten Lösungsansätze oder Maßnahmen angeboten.

Einer der vereinzelten Lichtblicke war die Anfrage der Staatsanwaltschaft nach fehlenden Meldungen bei der Polizei. Doch insgesamt fühlte ich mich in meinem Kampf für die Katzen und ihre Besitzer:innen allein gelassen.

Die Unterstützung der Gemeinschaft ist unerlässlich für Ihrer Mission. Wie reagiert die Bevölkerung?

Es gibt Unterstützung, aber auch viel Schweigen. Viele Menschen wollen sich nicht mit dem Leid auseinandersetzen und resignieren. Es ist ein Kampf gegen die Gleichgültigkeit. Doch es gibt auch Menschen, die unsere Bemühungen unterstützen und verstehen, wie wichtig es ist, diese Themen anzusprechen und für Veränderungen zu kämpfen.

Die Reaktionen aus der Bevölkerung bestärken mich daher in dem Glauben, dass Aufklärung und Bewusstseinsbildung der Schlüssel sind. Es ist wichtig, das Schweigen zu brechen und eine Kultur des Mitgefühls und der Achtsamkeit zu fördern. Jede:r, der eine Katze vermisst, weiß um den Schmerz und Ungewissheit, die zurückbleibt.

Was muss geschehen, um unsere Katzen besser zu schützen?

Jede Katze sollte gechippt und in der Heimtierdatenbank auf die Halter:innen registriert sein, bei Hunden gibt es diese Pflicht bereits. Aber natürlich bieten Chip und Registrierung zwar eine gewisse Sicherheit, verlorengegangene Tiere wiederzufinden, sind aber kein Allheilmittel. Auch eine meiner vermissten Katzen war gechippt.

Ein weiterer wichtiger Schritt wäre daher eine bessere Dokumentation von Totfunden. Bei jedem Totfund müsste der Chip ausgelesen und das Tier in einer Liste mit Datum und Fundort erfasst werden. Damit könnte man auch Besitzer:innen endlich Gewissheit geben, die sonst vergeblich auf ihren geliebten Vierbeiner warten und ewig hoffen müssen.

Klar ist, dass sich die Situation ohne mehr Achtsamkeit in der Gesellschaft und stärkerem Engagement seitens der Behörden nicht verbessern wird. Das treibt mich an, weiterhin auf das Thema aufmerksam zu machen und für die Rechte unserer vierbeinigen Freunde zu kämpfen.

Welche abschließende Botschaft möchten Sie unseren Leser:innen mitgeben?

Bitte, schauen Sie nicht weg. Wir als Gesellschaft dürfen Missstände nicht ignorieren, sondern müssen eingreifen und helfen, wenn es nötig ist. Jede:r von uns kann einen Unterschied machen. Tiere sind keine Gegenstände, sondern fühlende Wesen mit dem Recht auf Schutz und Fürsorge. Katzen sind Teil unserer Familien, unseres Lebens. Wir müssen beschützen, nicht zerstören. Es geht also um Mitgefühl, Verantwortung und die Art von Gesellschaft, in der wir leben möchten.

Melinda Ciorba ist große Tierliebhaberin. Als ihre beiden Samtpfoten verschwanden, begann sie nachzuforschen und sich für den Schutz unserer Katzen einzusetzen. Im Mai 2024 soll ihr Buch zum Verschwinden von über 560 Katzen im Burgenland erscheinen.

 

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