Billigfleisch macht Mensch und Tier krank

Noch immer bestimmt der Preis unserer tierischen Lebensmittel ihre Nachfrage. Discounter werben mit Billigfleisch-Aktionen, die Fleischprodukte zu Schleuderpreisen anbieten. Was nicht verkauft wird, landet im Abfall, denn die Regale der Supermärkte wollen auch kurz vor Ladenschluss voll befüllt sein. Quantität zählt mehr als Qualität. Wir erzählen euch in diesem und kommenden Artikeln, welche verheerenden Folgen durch Billigfleisch entstehen und wie Tierwohl, Klima- und Umweltschutz sowie damit letztlich auch die KonsumentInnen die traurigen Verlierer des Billigfleischsystems sind.

Billigfleisch stammt aus konventioneller Haltung

Anfang Juni hat der WWF seine vierte Rabattanalyse veröffentlicht. Einen Monat lang wurden dafür Rabattprospekte sechs verschiedener Supermarktketten analysiert. Zwischen Ende April und Ende Mai boten die Supermärkte darin fast 300 Fleischprodukte verbilligt an. Die Mehrzahl davon bestand aus Schweinefleisch und fast alle Angebote (96 %) stammten aus konventioneller Haltung. Etwa jedes dritte Produkt wurde zudem aus dem Ausland importiert [1]. Biofleisch, vegetarische oder vegane Grillalternativen wurden hingegen kaum verbilligt [1], wodurch Alternativen zu Billigfleisch für Personen die finanziell benachteiligt sind und/oder den Wunsch haben, ihren Grillteller nachhaltiger und tierwohlgerechter zu füllen, unattraktiver werden.

Konventionelle Haltung bringt Krankheiten

Schweinefleisch ist in Österreich das beliebteste Fleisch [2] und wurde, passend dazu, auch am häufigsten als Rabattaktion angeboten [1]. Die hohe Nachfrage führte über die letzten Jahrzehnte zu einer zunehmenden Intensivierung der Tierhaltung und gerade bei den klugen Rüsseltieren sind schlechte Haltungsbedingungen an der Tagesordnung. Erst neulich veröffentlichten NGOs wieder abstoßende Bilder aus mit AMA-Gütesiegel zertifizierten Schweineställen: Neben vernachlässigten, mit Kot und Blut verschmierten Schweinen lagen verwesende Tierkadaver [z.B. 3]. Die Öffentlichkeit zeigte sich empört und die Zustände in den betreffenden Ställen wurden als Einzelfälle abgestempelt.

Hingegen haben Untersuchungen gezeigt, dass auch bei optimaler konventioneller Haltung, Tierwohl in der Massentierhaltung von Schweinen kaum eine Rolle spielt und die Umstände der Tiere nicht weit von den Bildern aus Kärnten und Niederösterreich entfernt sind: Konventionelle Tierhaltung bedeutet einen sehr engen Bestand mit weniger als einem Quadratmeter Platz pro Tier. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 60 % der Schweine zudem lebenslänglich auf Vollspaltenböden leben. Diese Haltungsform führt dazu, dass Tiere über ihren eigenen Fäkalien stehen, beißende Ammoniakgase dauerhaft die empfindlichen Schleimhäute von Nase und Augen reizen und zu anhaltenden Atemwegserkrankungen und chronischen Bindehautentzündungen führen [2]. Etwa 92 % aller Mastschweine leiden durch den harten Boden auch an schmerzhaft entzündeten Gelenken [4]. Um möglichst wenig Tiere an Krankheiten zu verlieren, kommen Antibiotika zum Einsatz [9].

Billigfleisch fördert multiresistente Keime

Die etablierte Antibiotikagabe für die Herstellung von Billigfleisch birgt ein globales Problem: multiresistente Keime. Bakterien entwickeln Antibiotikaresistenzen schneller als bislang gedacht [5] und besonders die industrielle Landwirtschaft ist für ein fortschreiten von multiresistenten Keimen verantwortlich [6]. Erst kürzlich wurden multiresistente Keime in etwa einem Drittel aller Fleischproben aus österreichischen Supermärkten gefunden [7].

Die WHO listet multiresistente Keime bereits jetzt als das dringlichste Gesundheitsrisiko unserer Zeit [8]. Dennoch kommen auch in Österreich ein großer Teil aller verabreichten Antibiotika in der Tierzucht zum Einsatz. 2020 belief sich diese Summe auf rund 44 Tonnen, ein Plus von über 3 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr [9]. Wohin das führen kann, zeigt, dass jährlich ca. 5.000 Menschen in Österreich an Antibiotika-resistenten Keimen sterben [10].

Seit 2022 ist es nach den EU-Verordnungen 2019/4 bis 2019/6 verboten, Antibiotika routinemäßig einzusetzen, um schlechte Haltungsbedingungen auszugleichen. Ein metaphylaktischer Einsatz, also die Behandlung von gesunden Tieren, sobald infizierte Individuen im Stall sind, ist hingegen erlaubt . Aber da die Tiere aufgrund der schlechten Haltung dauerhaft unter Stress- und Haltungsbedingten Krankheiten leiden [2], ist eine breite Antibiotikagabe in Österreichs Ställen damit leider nach wie vor Usus [9] und Seuchen, gegen die kein Antibiotika mehr hilft, werden immer wahrscheinlicher [10].

Tierwohlgerechte Alternativen zu Billigfleisch

In Österreich konsumieren wir aktuell pro Jahr doppelt so viel Fleisch, wie für Klima und Gesundheit empfohlen wird [2]. Zwar sinkt dieser Wert langsam –  während 2007 noch etwa 67 Kg pro Kopf verzehrt wurden, waren es 2020 nur noch knapp 61 Kg – dennoch geht der Wandel nur langsam voran und Personen in Österreich liegen mit ihrem Fleischkonsum noch immer gut 17 % über dem europäischen Durchschnitt [11]. Billigfleisch in Supermärkten, aber auch in der Gastronomie und bei verschiedenen Einrichtungen wie Altersheimen, Tagesstätten etc., ist damit ein großer Teil des Problems.

Glücklicherweise wachsen auch Angebot und Konsum von fleischlosen Alternativen, zum Beispiel Soja, Saitan, Erbsenprotein und viele weitere. Für diejenigen, die nicht komplett auf Fleisch verzichten wollen, empfehlen wir, zu Bio-Produkten zu greifen. Zum einen ist dadurch mehr Tierwohl garantiert und biologische Landwirtschaft trägt zum Erhalt von Artenvielfalt und Biodiversität bei. Zum anderen handelt es sich bei Bio-Fleisch um qualitativ hochwertige und gesunde Produkte. Mensch und Tier profitieren folglich beide.

Transparenz gefordert, um Tierwohl zu steigern

Ein wichtiger Schritt um besonders bei Billigfleisch die Wahrnehmung der Bevölkerung zu steigern, ist die einheitliche Haltungskennzeichnung. In Deutschland wurde 2019 ein verständliches, farbcodiertes Stufensystem für tierische Produkte eingeführt. Damit können VerbraucherInnen auf einen Blick erkennen, ob sie mit ihrem Einkauf Tierwohl fördern und greifen nachweislich lieber auf Produkte höherer Qualität zurück [12].

Auch in Österreich fordern wir deshalb eine einheitliche Haltungskennzeichnung tierischer Produkte. Um uns in unserer Forderung zu unterstützen, unterschreibe hier unsere Petition für eine einheitliche Lebensmittelkennzeichnung und folge unserer Kampagne #1fachausgezeichnet!

Mehr Informationen zum Einkauf hier!

Quellen:

[1] WWF. Grillsaison ist Billigfleisch-Saison. 14.06.2022 https://www.wwf.at/artikel/grillsaison-ist-billigfleisch-saison/ (aufgerufen: 06.2022)

[2] Global2000. Der Fleischatlas. 2021. (Download: https://www.global2000.at/sites/global/files/Fleischatlas-2021.pdf)

[3] Kleine Zeitung. Erneut Kärntner Landwirte wegen Schweinehaltung in der Kritik. 12.04.2022. https://www.kleinezeitung.at/kaernten/6124479/Skandaloese-Zustaende_Erneut-Kaerntner-Landwirte-wegen (aufgerufen: 07.2022)

[4] Oberländer Sabine. Untersuchungen zum Vorkommen von akzessorischen Bursen bei Mastschweinen. 2015.

[5] Der Standard. Antibiotikaresistenzen entwickeln sich schneller als angenommen. 25.02.2019.  https://www.derstandard.at/story/2000098362712/antibiotikaresistenzen-entwickeln-sich-schneller-als-angenommen (aufgerufen: 07.2022)

[6] Zeit Online. Diese Keime töten. 24.08.2015. https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-11/multiresistente-keime-mrsa-antibiotika-massentierhaltung-keimkarte/komplettansicht (aufgerufen: 07.2022)

[7] Greenpeace. Gefährliche Keime auf Fleisch in Österreich. 2022. (Download: https://act.gp/Keimfleisch_Factsheet ) (aufgerufen: 07.2022)

[8] Der Standard. Multiresistente Erreger sind dringlichstes Gesundheitsrisiko. 19.06.2019. https://www.derstandard.at/story/2000105103542/multiresistente-erreger-sind-dringlichstes-gesundheitsrisiko-unserer-zeit (aufgerufen: 07.2022)

[9] Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Resistenzbericht Österreich AURES 2020. Stand 2022.

[10] Der Standard. Mehr Maßnahmen gegen Krankenhauskeime gefordert. 20.11.2019. https://www.derstandard.at/story/2000111303886/mehr-massnahmen-gegen-krankenhauskeime-gefordert (aufgerufen: 07.2022)

[11] Statista. Konsum von Fleisch in Österreich. 07.03.2022. https://de.statista.com/themen/2800/fleisch-in-oesterreich/#dossierKeyfigures (aufgerufen: 07.2022)

[12] Greenpeace. Supermarkt-Check III: Auslaufmodell Billigfleisch. 2021. Download hier:  https://www.greenpeace.de/publikationen/2021-10-gpd-agrar-supermarktcheck3-final_final.pdf