ERFOLG: Großbritannien verbietet Auslandstiertransporte

Lange Tiertransporte verursachen immenses Tierleid. Großbritannien ist das erste europäische Land, das deshalb Tiertransporte über seine Landesgrenzen hinaus verbietet. Wie es dazu kam, was sich die EU von den Briten abschauen kann und mehr – HIER!

Auf einen Blick

  • Großbritannien verbietet Lebendtiertransporte aus England, Schottland und Wales
  • Immer mehr Staaten exportieren statt lebenden Tieren nur noch Fleisch und Spermien
  • EU könnte Tiertransporte durch die aktuell laufende Überarbeitung der Tiertransportverordnung beenden

Großbritannien ist Vorreiter bei Tiertransporten in Europa

Anfang des Jahres trat in Großbritannien ein Verbot von Lebendtiertransporten über die Landesgrenze hinaus in Kraft. Zwar gilt es nicht für alle Tierarten und nicht für Nordirland, trotzdem ist das Gesetz einzigartig in Europa und ein großer internationaler Erfolg. Rinder, Schweine, Pferde, Esel, Ziegen und Schafe dürfen demnach nicht mehr für die Mast oder Schlachtung von England, Schottland und Wales aus exportiert werden. Ausgenommen sind Tiere für die Zucht oder für Wettbewerbe.

Weltweite Welle gegen Tiertransporte rollt an

Großbritannien ist mit diesem Vorstoß zwar europäische Vorreiter, weltweit waren die Briten aber nicht die Ersten. Neuseeland hat beispielsweise den Lebendexport von Schafen bereits 2023 verboten, Australien will selbiges ab 2028 verbieten und sogar in Brasilien, einem der größten Tierexporteure weltweit, gab es letztes Jahr gerichtliche Erfolge, um Tiertransporte langfristig zu verbieten.

Auch global kommt die Welle also ins Rollen. Verständlich, denn Tierwohl genießt eine immer größere Stellung bei der Bevölkerung und die Menschen sind entsetzt darüber, wenn aufgedeckt wird, wie schlecht viele Tiere in unserer Gesellschaft nach wie vor behandelt werden.

Auch in der Landwirtschaft werden Tierwohlverbesserung begrüßt, solange dadurch keine finanziellen Nachteile für Bäuerinnen und Bauern entstehen. Nachdem durch das Brexit-Chaos Lebendtierexporte aus der UK ohnehin abrupt ausgesetzt worden waren, unterstreicht im Falle der UK beispielswese selbst die National Sheep Association, dass man rückblickend nicht zwingend auf derartige Transporte angewiesen gewesen sei und auch ohne auskommen werde.

Der Moment für ein Verbot war denkbar günstig. Seit über 50 Jahren arbeiten NGOs an einem Ende der grausamen Transporte und haben mit ihren Forderungen großen Zuspruch in der Bevölkerung. Durch den Brexit und die dadurch fehlenden Grenzregulierungen dürfen seit 31. Dezember 2020 effektiv ohnehin keine Tiere über britische Häfen exportiert werden. Gleichzeitig stehen heuer in Großbritannien Wahlen an

Ein Tiertransportverbot ins Ausland war eines von vielen versprochenen Tierschutzverbesserungen der aktuellen britischen Regierung. Dass der Export wieder aufgenommen werden könnte, wurde damit endgültig unterbunden. Viele andere Tierschutz-Ankündigungen wurden hingegen nicht umgesetzt, zum Beispiel ein Käfighaltungsverbot und ein Importstopp von Pelz und Stopfleber.

Bevölkerung will keine grausamen Tiertransporte

Die Stimme der europäischen Bevölkerung ist ebenfalls eindeutig, wie eine durch die EU-Kommission in Auftrag gegebene Barometerumfrage von 2023 zeigt: Mehr als 8 von 10 Europäer:innen wünschen sich, dass das Wohlergehen von Nutztieren in ihrem Land besser geschützt wird, und sind der Meinung, dass die Transportzeit von Tieren begrenzt werden müsse. Fast 60 % forderten außerdem mehr Informationen und Transparenz zu den Themen!

Die Alternativen sind denkbar einfach: Anstatt lebender Mast- und Schlachttiere sollen nur ihr Fleisch, anstatt Zuchttiere nur Spermien transportiert werden. Doch genau hier spießt sich das aktuelle System. Es ist lukrativer, Tiere über Tage in andere Länder zu karren und dort oft unter geringeren Tierwohlstandards als im Ursprungsland zu mästen, als das Fleisch nach der Schlachtung zu exportieren. Gleichzeitig sinkt auch die Zahl der Schlachthöfe, was längere Transportwege bedeutet.

Tiertransporte brauchen einen Systemwechsel

Wir brauchen also einen ganzheitlichen Systemwechsel, der Regionalität und höhere Tierwohlstandards belohnt. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) ist einer der größten Hebel in der Entwicklung der Landwirtschaft. Fast ein Drittel des Gesamten EU-Haushalts wird dabei für die europäische Landwirtschaft verteilt.

Unter anderem durch Direktzahlungen an die Landwirtinnen und Landwirte für bestimmte Leistungen formt die GAP seit über 60 Jahren die Entwicklung unserer Lebensmittelproduktion. Alle 6 Jahre werden die Konditionen dafür neu ausverhandelt. Während ursprünglich eine zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft zur Steigerung der Produktion und Wettbewerbsfähigkeit angestrebt wurde, dreht sich langsam das Blatt und auch Nachhaltigkeit und Tierwohl werden wichtiger.

Ausreichend umgesetzt sind Nachhaltigkeit und Tierwohl aber noch nicht und die GAP hätte noch viel Potential hier stärkere Verbesserungen und höhere Standards voranzutreiben. Direktzahlungen könnten beispielsweise endlich bindend an die Nachhaltigkeitsziele des Green Deals gebunden werden, um eine Wende bei brennenden Themen wie Artensterben, Klimakrise und Ernährungssicherheit einzuläuten.

EU hat jetzt die Gelegenheit, Tiertransporte zu beenden

Fest steht, dass sich die EU der länger werdenden Liste an Staaten gegen Lebendtiertransporte anschließen muss. Aktuell werden jährlich ca. 1,6 Milliarden Tiere durch Europa und über seine Grenzen hinaus verfrachtet. Seit 2007 sind dabei über 200 Aufdeckungen und Berichte von Tierquälerei und systematischen Gesetzesverstöße an die EU-Kommission gelangt, darunter auch von offiziellen Stellen wie dem Europäischen Rechnungshof, dem EU-Parlament und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Abgesehen von der nächsten Überarbeitung der GAP für 2028-2034, gäbe es noch dieses Jahr eine gute Gelegenheit Lebendtiertransporte zu beenden: Gerade überarbeitet die EU die Tiertransport-Verordnung. Die Öffentlichkeit konnte bereits Stellung dazu beziehen (lesen Sie HIER unserer Stellungnahme zur EU-Transportverordnung).

Doch laut dem aktuellen Entwurf sind zwar kleine Tierwohlverbesserungen angedacht, Langstreckentransporte, Transporte in Drittländer und Seetransporte werden aber nicht verboten. Eine systemische Veränderung kann damit nicht gelingen. Europaweit sind NGOs deshalb weiter dahinter, dass der endgültige Entwurf schließlich doch noch tatsächliche Verbesserungen bringt.

Fazit:

Tiertransporte verursachen viel Tierleid und sind nicht im Sinne der Bevölkerung. Länder wie Großbritannien und Neuseeland haben bereits entsprechende Verbote ins Rollen gebracht, nun muss endlich auch die EU nachziehen. Eine perfekte Gelegenheit ergibt sich durch die aktuelle Überarbeitung der Tiertransport-Verordnung der EU.

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