Auf einen Blick
- Wir haben gemeinsam mit drei weiteren Organisationen eine Petition beim Wiener Petitionsausschuss gestartet.
- Anlass sind zunehmende Konflikte und rechtliche Unsicherheiten rund um die artgerechte Versorgung von Stadttauben.
- Wir fordern deshalb eine Klarstellung im Wiener Reinhaltegesetz und einen Ausbau des nachhaltigen Taubenmanagements.
- Statt Symptombekämpfung setzen wir auf nachhaltige Lösungen wie betreute Taubenbehausungen, kontrollierte Futterstellen und Eiertauschprogramme.
- Alle Personen ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Wien können die Petition unterstützen.
Anlass: Vermehrte Strafen für artgerechtes Taubenfüttern
Immer häufiger erleben wir, dass Menschen, die sich um Stadttauben kümmern, mit Anzeigen, Verwaltungsstrafen oder anderen rechtlichen Problemen konfrontiert werden. Hintergrund ist eine aktuelle Auslegung des Wiener Reinhaltegesetzes, wonach bereits das Ausbringen von Futter als Verunreinigung gewertet werden kann. Dabei sind auch Menschen betroffen, die sich bewusst für eine artgerechte Fütterung einsetzen und darauf achten, dass keine Körner zurückbleiben.
Stadttauben sind keine Wildtiere. Sie stammen von domestizierten Haus-, Brief-, Hochzeit- und Zuchttauben ab, die über Jahrhunderte vom Menschen gezüchtet und genutzt wurden. Viele der heutigen Stadttauben sind Nachkommen ausgesetzter oder entflogener Tiere. Lies HIER mehr zum Leid der Brief- und Hochzeitstauben.
Dabei wird oft vergessen, welche Bedeutung Tauben für den Menschen über Jahrhunderte hatten. Als Brieftauben transportierten sie Nachrichten über weite Strecken und retteten im Krieg Menschenleben. Für ihre außergewöhnlichen Leistungen wurden einzelne Tiere sogar mit militärischen Auszeichnungen geehrt.
Erst als ihre Dienste nicht mehr benötigt wurden und ihre Nachkommen in den Städten zurückblieben, wandelte sich das Bild der Taube vom geschätzten Helfer zum vermeintlichen Problemvogel. Heute ist es an uns, diesem Vorurteil mit Fakten und verantwortungsvollen Lösungen zu begegnen.
Taubenmanagement reduziert Konflikte
Viele Menschen verbinden Stadttauben mit Taubenkot und Verschmutzungen. Und es stimmt, wo keine geeignete Versorgung vorhanden ist, müssen die Tiere auf menschliche Speiseabfälle ausweichen. Das kann gesundheitliche Probleme verursachen und oft genau zu jenen Konflikten führen, die viele Menschen vermeiden möchten.
Geeignetes Körnerfutter kann dagegen dazu beitragen, den Gesundheitszustand der Tiere zu verbessern. Gleichzeitig wird der Kot fester und trockener, wodurch sich Verunreinigungen leichter beseitigen lassen. Tipps und Tricks für tierfreundliche Taubenabwehrsysteme HIER!
Von einer „Taubenplage“ kann in Wien übrigens keine Rede sein. Die aktuellste Taubenzählung der Stadt Wien vom April 2026 kommt auf einen Bestand von lediglich rund 50.000 bis 60.000 Stadttauben im gesamten Stadtgebiet. Bei knapp zwei Millionen Einwohner:innen entspricht das etwa einer Taube auf 50 Wiener:innen. Die Zahlen zeigen also, dass Wien über eine vergleichsweise kleine und stabile Stadttaubenpopulation verfügt, die sich durch gezieltes Management, mit betreuten Taubenschläge und Eiertauschprogrammen, nachhaltig steuern ließe.
Betreute Taubenschläge funktionieren
Betreute Taubenschläge gelten heute als eine der wirksamsten und tierschutzgerechtesten Methoden, um Stadttaubenpopulationen langfristig zu regulieren. Das Grundprinzip ist einfach: Die Tauben erhalten einen frei zugänglichen sicheren Ort zum Brüten, artgerechtes Futter, frisches Wasser und bei Bedarf medizinische Betreuung. Dadurch verbringen viele Tiere einen Großteil ihrer Zeit im Taubenschlag statt auf Bahnhöfen, Plätzen oder Gebäuden. Ein weiterer Vorteil: Ein großer Teil des Taubenkots fällt direkt im Schlag an und kann dort regelmäßig entfernt werden, wodurch Verschmutzungen im öffentlichen Raum reduziert werden.
Kaum ein anderes Stadttier wird so häufig mit Krankheiten und Schmutz in Verbindung gebracht wie die Stadttaube. Dabei zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass von Stadttauben keine größere Gesundheitsgefahr ausgeht als von anderen Wildtieren. Fachleute und sogar Behörden haben in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass Krankheitsübertragungen durch Tauben zwar grundsätzlich möglich sind, dies aber ebenso für Enten, Schwäne, Sperlinge, Amseln, Eichhörnchen oder andere Wildtiere gilt.
Eine 2017 veröffentlichte umfassende Untersuchung aus Deutschland kam beispielsweise zum Ergebnis, dass zahlreiche im Internet verbreitete Behauptungen über angeblich von Tauben übertragene Krankheiten entweder falsch oder stark übertrieben sind. Selbst bei der Ausbreitung der Vogelgrippe spielen Tauben keine Rolle, da sie eine hohe Resistenz gegen das Virus haben und dieses auch kaum weitergeben.
Der entscheidende Baustein ist der sogenannte Eiertausch. Dabei werden frisch gelegte Eier regelmäßig gegen Gips- oder Kunsteier ausgetauscht. Die Tauben bemerken den Austausch nicht und brüten ihre Gelege wie gewohnt weiter aus. Erst nach der normalen Brutdauer verlassen sie das Nest. Da keine Jungtiere schlüpfen, wird die Population schrittweise und ohne Tierleid reduziert. Im Gegensatz zum Entfernen von Nestern oder Eiern führt diese Methode nicht dazu, dass die Tiere sofort erneut mit einer Brut beginnen oder an einen anderen Ort ausweichen.
Wien hat bereits erste wichtige Schritte gesetzt
Wien gehört eigentlich bereits zu den Städten, die moderne Ansätze im Umgang mit Stadttauben verfolgen. Viel wurde schon erreicht und aufgebaut: Zwei betreute Taubenschläge und regelmäßige Taubenzählungen zeigen, dass nachhaltige Lösungen möglich sind.
Doch nun müssen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen mit diesen Fortschritten Schritt halten. Statt Konflikte zu verschärfen, sollten Gesetze jene Maßnahmen unterstützen, die nachweislich zu einem besseren Zusammenleben von Tier und Mensch beitragen.
Unsere Forderungen
In unserer Petition an den Wiener Petitionsausschuss fordern wir deshalb gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen:
- Rechtliche Klarstellung im Wiener Reinhaltegesetz: Artgerechte Fütterung mit geeignetem Körnerfutter darf nicht automatisch als Verunreinigung gewertet werden, wenn das Futter unmittelbar aufgenommen wird und Rückstände unverzüglich entfernt werden.
- Rechtssicherheit für verantwortungsvolle Taubenhilfe: Menschen, die anwesende Stadttauben mit geeignetem Futter versorgen und auf Sauberkeit achten, dürfen nicht kriminalisiert werden.
- Ausbau eines nachhaltigen Stadttaubenmanagements: Wien soll bestehende Maßnahmen weiter ausbauen und langfristig auf betreute Taubenbehausungen, kontrollierte Futterstellen, Eiertauschprogramme und umfassende Aufklärung setzen.
Jetzt Petition unterstützen
Alle Personen ab 16 Jahren und mit einem Hauptwohnsitz in Wien können die können die Petition unterstützen. Wenn innerhalb eines Jahres mindestens 500 Unterschriften gesammelt werden, muss das Anliegen im Wiener Petitionsausschuss behandelt werden.
Bitte hilf unserer Pfoten-Politik
Mit PfotenPolitik setzen wir uns für jene Tiere ein, die keine Stimme haben. Bitte hilf uns mit einer Spende dabei, tierschutzfreundliche Lösungen in Politik und Gesellschaft voranzubringen!
Gefährdungseinstufung der Stadttauben? Überprüfung aktueller Aussagen aus dem Internet auf ihren Wahrheitsgehalt“. Kneidl-Fenske M, Dämmrich M. Stand 29. Juli 2017.
Tierschutzombudsstelle Wien. Fellner C. 2021. TAUBENABWEHR AN GEBÄUDEN. Download: https://www.tierschutz-austria.at//wp-content/uploads/2024/10/TOW-Taubenabwehr-an-Gebaeuden-2021-1.pdf