Report: Der schmutzige Fußabdruck von Pelz

Die Pelzbranche übt sich in Greenwashing und versucht Pelz als nachhaltiges, natürliches Material zu verkaufen. NGOs haben diese Aussagen geprüft. Wie umweltschädlich Pelz tatsächlich ist und warum gerade ein Luxuskonzern für die Aufdeckung essentiell war – HIER!

Nerz

Auf einen Blick

  • Die Modeindustrie ist eine der umweltschädlichsten Branchen weltweit
  • Die Pelzbranche versucht Pelz als natürlich und nachhaltig anzupreisen
  • Daten eines Luxusmodekonzerns offenbarten nun, dass Pelz sogar deutlich umweltschädlicher ist als Acryl und Polyester aus Erdöl

Modeindustrie zählt zu den umweltschädlichsten Branchen weltweit

Die Modeindustrie ist bekannt für negative Schlagzeilen, vor allem aus dem globalen Süden, und zählt zu den umweltschädlichsten Branchen überhaupt. Obwohl sich die Modecharta bis 2050 eine Netto-Null bei ihren weltweiten Treibhausgasemissionen vorgenommen hat, deuten aktuelle Prognosen weiterhin darauf hin, dass die Emissionen bis Ende dieses Jahrzehnts um mehr als 50 Prozent steigen werden.

Dabei ist auch der Modeindustrie das zunehmende Umweltbewusstsein ihrer Kundschaft nicht entgangen. Verbraucher:innen legen immer größeren Wert auf die Herkunft ihrer Produkte und bevorzugen nachhaltige Materialien sowie Unternehmen und Marken, die sich auch fernab der Geschäfte für das Wohl von Mensch, Tier und Umwelt einsetzen. Kaum ein größerer Kleideranbieter kommt deshalb heutzutage ohne Fairtrade-, Biobaumwolle- oder Recycling-Linie aus [1].

Problematik von Green Claims und Green Washing

Leider überschatten sogenannte „Green Claims“, mit fragwürdigen Versprechen von Umweltfreundlichkeit, das allgemeine Streben nach Nachhaltigkeit. Zwar setzen Unternehmen durch das gestiegene Interesse an Nachhaltigkeit vermehrt darauf, ihre Produkte als umweltfreundlich zu bewerben, bei näherer Betrachtung stellen sich diese Green Claims aber meist als Enttäuschung heraus. Damit wird Verbraucher:innen die Möglichkeit genommen, tatsächlich nachhaltige Produkte zu wählen.

Im März 2023 beschloss die Europäische Kommission gegen Greenwashing und irreführende Green Claims, insbesondere in der Werbung, härter vorzugehen und bestehende Gesetze zu stärken. Dazu legte sie einen Gesetzesentwurf für die sogenannte „Green Claims-​Richtline“ vor [2].

Zwar muss der Entwurf noch das EU-Gesetzgebungsverfahren überstehen und läuft damit Gefahr nie umgesetzt zu werden, doch sollte eine Einigung gefunden werden, könnten wir bereits 2026 erfolgreicher gegen Green Claims vorgehen!

Auch der internationale Pelzhandel übt sich in Green Claims und behauptet beispielsweise, Naturpelz sei das umweltfreundlichste verfügbare Material [3]. Obwohl diese Behauptungen laufend stark kritisiert werden, war es aufgrund fehlender Daten auch für NGOs schwierig, wissenschaftliche Aussagen zur tatsächlichen Umweltbilanz des Pelzhandels zu treffen.

Pelzhandel stellt falsche Nachhaltigkeitsbehauptungen auf

Doch öffentlich einsehbare Statistiken konnten genutzt werden, um die tatsächlichen Auswirkungen der Pelztierproduktion zu untersuchen. Die Tierschutz-NGO Humane Society International/UK beauftragte Foodsteps, Expertinnen und Experten für ökologische Fußabdrücke, zu einer umfassenden Analyse der Umweltbilanzen des französischen Modekonzerns Kering.

Kering, der eine Reihe internationaler Luxusmodemarken wie Gucci, Alexander McQueen und Saint Laurent besitzt, sammelt seit 2012 Daten seiner verwendeten Produkte und Rohstoffe für sogenannte ökologische Gewinn- und Verlustrechnungen (Environmental Profit & Loss (EP&L)) [1].

Ziel der EP&Ls ist es, die Kosten von Umweltzerstörung und -erhalt monetär zu veranschaulichen und damit für Unternehmen auch finanziell den Anreiz zu schaffen, umweltschonender zu wirtschaften.

Durch verschiedene Umweltverträglichkeitsparameter (z.B. Treibhausgasemissionen oder Wasserverbrauch) wird zuerst der ökologische Fußabdruck errechnet und daraus dann die Umweltfolgen für eine Region abgeleitet (z.B. Klimawandel oder Wasserknappheit). Schließlich dienen offizielle Schlüssel dazu, diese Umweltfolgen in monetäre Kosten für das menschliche Wohlbefinden umzurechnen (z.B. Einbußen bei der Ernte) [4].

Die EP&Ls des Modekonzerns Kehring geben dabei Einblick in die Nachhaltigkeit der gesamten Lieferkette der Produkte und Materialien – von Rohstoffgewinnung und Verarbeitung bis hin zur letztlichen Konfektion. Sie sind damit ein bedeutendes Werkzeug für Wissenschaftler:innen im Kampf für mehr Transparenz in der Modebranche [4].

Pelz ist umweltschädigend!

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Pelzindustrie im Vergleich zu anderen Materialien eine enorme Umweltbelastung pro Kilogramm Material darstellt. Anhand von sechs Umweltverträglichkeitsparametern (Treibhausgasemissionen, Luftschadstoffemissionen, Wasserverbrauch- & -verschmutzung, Abfall und Flächenverbrauch) verglich Foodsteps die Umweltauswirkungen von Nerz-, Fuchs- und Marderhundpelz mit Baumwolle, Leder, Lammfell, Polyester und Acryl.

Bei Zweidrittel der untersuchten Umweltverträglichkeitsparametern war die Belastung jeder der drei Pelzarten höher als die der fünf Alternativen. Im Vergleich zu Baumwolle, Leder, Lammfell, Polyester und Acryl erweist sich die Pelzproduktion damit als besonders umweltbelastend. Vor allem Nerzpelz schnitt besorgniserregend schlecht ab:

  • Treibhausgasemissionen: Für Nerz-, Fuchs- und Marderhundpelz wurden pro Kilogramm die höchste Menge an CO2-Äquivalenten freigesetzt. Die Nerzpelzproduktion emittierte dabei 31-mal mehr Emissionen als Baumwolle, 26-mal mehr als Acryl und 25-mal mehr als Polyester.
  • Luftschadstoffemissionen: Bei den Luftschadstoffemissionen schnitt ebenfalls Pelz am schlechtesten ab – Nerzpelz lieferte dabei 150-mal höhere Emissionen als Polyester, 215-mal höher als Baumwolle und 271-mal höher als Acryl.
  • Wasserverbrauch und -verschmutzung: Im Schnitt war der Wasserverbrauch für Pelz 5-mal höher als für Baumwolle, 91-mal höher als für Polyester und 104-mal höher als für Acryl. Nerzpelz generierte dabei etwa 400-mal mehr schädliche Stoffe als Polyester.
  • Abfall: Auch in Bezug auf anfallenden Abfall war Pelz problematisch. Die durchschnittliche Abfallmenge pro Kilogramm Pelz entsprach zwar der von Baumwolle, doch durch Nerzpelz entstand 12-mal mehr Abfall als durch Acryl und 7-mal mehr als bei Polyester.
  • Flächenverbrauch: Einzig beim Flächenverbrauch überstiegen Leder und Lammfell die Auswirkungen der drei Pelzarten. Dennoch verbraucht Pelz im Schnitt eine gleich große Fläche wie Baumwolle. Auch im Vergleich zu Polyester und Acryl werden für Pelz durchschnittlich immer noch das 15- bis 20-fache an Fläche benötigt [1].

Angesichts nachhaltigerer Alternativen ist es also länger nicht vertretbar, Tiere weiterhing ausschließlich für ihren Pelz zu töten. Die Ergebnisse sollen dabei Materialien wie Polyester und Acryl nicht als umweltfreundlich reinsprechen – auch sie haben Probleme, wie die Produktion von Mikroplastik oder ihre Gewinnung aus Erdöl. Hinzukommen ethische Aspekte sowohl bei der Pelz- als auch bei der Produktion von Leder und Lammfellen (lies HIER, wie die Pelzproduktion wirklich aussieht und warum wir vielleicht bald ein pelzfreies Europa feiern können).

Fazit:

Die Analyse von Foodsteps zeigt eindrücklich, dass die Pelztierproduktion in Zeiten  von Klima- und Biodiversitätskrise eine unzumutbare Umweltbelastung darstellt. Der Verzicht auf Pelz stellt einen wichtigen Schritt zu einer nachhaltigen Modebranche und der Erreichung der Klimaschutzziele dar. Unternehmen und Verbraucher:innen sind hierbei gleichermaßen gefordert.

Für die Politik muss ein Verbot von Pelzzucht und Pelzverkauf ein wichtiger Schritt zur Reduzierung von Umweltschäden und zur Erreichung der Klimaschutzziele sein. Ein pelzfreies Europa ist zudem ein wichtiges Zeichen für einen bewussteren und verantwortungsvolleren Umgang mit unseren Mitlebewesen [5].

 

Download des vollständigen Reports

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[1]        Humane Society International/UK, „Fur’s Dirty Footprint Report on the environmental impacts of fur production“, 2023.

[2]        Eurpäische Kommission, „Green claims“. Zugegriffen: 9. Dezember 2023. [Online]. Verfügbar unter: https://environment.ec.europa.eu/topics/circular-economy/green-claims_en

[3]        International Fur Federation, „Natural Fur Delivering Sustainability A decade-long commitment across the global supply chain“, 2020.

[4]        Kering, „METHODOLOGICAL NOTE-ENVIRONMENTAL PROFIT & LOSS ACCOUNT (EP&L)“.

[5]        Fur Free Europe, B. Malmberg, und J. Moran, „Fur Free Europe Master Report“, Okt. 2022.

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