Stellungnahme Wolf – Tiroler Grünen

GAP-Strategieplan

Der bei der Europäischen Kommission eingereichte österreichische Strategieplan für die Umsetzung der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) kam Ende März nach genauer Begutachtung mit einem 32-seitigen „Observation Letter“ und 251 Anmerkung zurück. Empfohlen wurden unter anderem eine stärkere Pestizidreduktion und größerer Fokus auf Klima- und Umweltschutz.

Das Thema große Beutegreifer, ich will hier explizit nicht nur den Wolf erwähnen, da es auch zu Rissen durch Bären und Luchse kommt, ist ein sehr emotional geführtes Thema in Tirol. Wobei hier die Emotionalität sehr beim Wolf liegt. Wir sind halt so sozialisiert worden: der böse Wolf vs. der Teddybär.

Ich verstehe natürlich auch die Sorgen der Landwirt*innen. Die Situation der Almwirtschaft ist schon lange prekär. Viele Landwirt*innen müssen einer geregelten Arbeit nachgehen, damit sie sich ihrer „Berufung“ der Landwirtschaft widmen können. Die junge Generation macht da oft nicht mehr mit. Und neben einem 40h Job ist die herkömmliche Almwirtschaft mit Versorgung der Milchkühe oft nicht mehr möglich. Hier sind viele Landwirt*innen auf Schafhaltung umgestiegen, da diese weniger aufwendig ist. Die grossen Beutegreifer setzen diese Landwirt*innen extrem unter Druck.

Wobei man bei den Fakten bleiben sollte. Pro Jahr verenden gut 3500 Schafe auf den Almen, da sie abstürzen, sich versteigen oder vom Blitz getroffen werden. Die Emotion ist in diesen Fällen bei weitem nicht so groß als bei Schafrisse. Und z.B. ein Absturz bedeutet nicht, dass dadurch die Schafe sofort tot sind. Auch hier können sie qualvoll verenden.

Deshalb ist es uns wichtig, dass wir wieder zu einer sachlichen und lösungsorientierten Diskussion kommen. Der Wolf wie auch andere Beutegreifer sind EU rechtlich durch die FFH (Flora-Fauna-Habitat) Richtlinie geschützt. Der Umgang mit dem Wolf wird daher nicht im Tiroler Landtag entschieden, sondern auf EU Ebene. Wir in Tirol können die Landwirt*innen stützen, wie sie mit den grossen Beutegreifern leben und auch wirtschaften können. Dies vor allem in ehrlicher Beratung, Hilfe wie auch finanzielle Hilfe, beim Schutz ihrer Tiere. Mir ist und war es immer wichtig den Landwirt*innen nichts vorzumachen oder ihnen etwas zu versprechen was wir selber nicht halten können. Das bringt den Landwirt*innen nichts und schützt kein einziges Schaf. Des Weiteren ist es notwendig, dass die Landwirt*innen wieder von dem Leben können was sie produzieren. Dass sie nicht nebenbei arbeiten gehen müssen, sondern Zeit haben sich um ihre Tiere zu kümmern.

Ich weiß, dass für viele Menschen die einfachste Möglichkeit der sofortige Abschuss jedes Beutegreifers ist. Doch muss man ganz ehrlich sagen, dass dies das Problem an sich nicht löst. Dann kommt halt der nächste Wolf. Und wann bemerke ich, dass dieser in meiner Umgebung ist? Wenn er wieder Schafe gerissen hat. Wenn wir hier von Tierschutz reden, dann muss man auch die Schafe vor potentiellen Gefahren schützen. Und hier können wir in der Politik helfen. Auch in der Aufklärung. Dass ein Wolfrudel doch auch sehr viele Vorteile für uns bringt, gerade in Sachen Biodiversität.

Wobei wir Grüne uns auch ganz klar gegen sogenannte Problemtiere aussprechen. Sprich, wenn ein Wolf ein untypisches Verhalten angelernt hat, wie z.B. die natürliche Scheu vor dem Menschen verliert, dann gehört dieser entnommen. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass wenn ein Wolf auf eine ungeschützte Herde Schafe trifft und hier reisst, ist dies kein untypisches Verhalten. Der Wolf agiert natürlich.

Die Feststellung ob ein Beutegreifer ein Problemtier ist muss unbedingt beim Fachkuratorium bleiben. Dies darf nicht zu einem politischen Wahlkampfthema werden, da es sich um eine Fachfrage handelt. Es stellt sich die Frage ob die NGO´s nicht auch schon in die Entscheidungen des Fachkuratoriums miteingebunden werden sollen.

Ich bin der Überzeugung, dass ein Miteinander möglich ist. Wir müssen wieder zur Sachlichkeit zurückkehren. Eine allumfassende und sachliche Diskussion ist wichtig.

Lieben Gruß

Cordula Ettmayer-Kreiner (Forstwirtin, Kandidatin für den Tiroler Landtag der Tiroler Grünen)

Georg Kaltschmid (Tierschutzsprecher der Tiroler Grünen im Landtag und auch Kandidat für die nächste Periode)

Das könnte Sie auch interessieren

Fischotter – faszinierende Überlebenskünstler

In den insgesamt 12 bis 14 gemeinsamen Monaten bringt die Ottermutter ihren Jungen bei, die saisonal verändernden Lebensräume und Nahrungsangebote optimal zu nutzen. Ihre gute Schule ist unerlässlich, um die Halbwüchsigen auf ein Leben im eigenen Revier vorzubereiten.

Das Leid verhindern – Neues Gutachten zur Qualzucht

Als Qualzucht werden Tierzüchtungen bezeichnet, bei denen selektiv nach Merkmalen ausgelesen wird, die bei den Tieren Leid und Schmerzen verursachen. In Österreich sind solche Züchtungen, „die für das Tier oder dessen Nachkommen mit starken Schmerzen, Leiden, Schäden oder mit schwerer Angst verbunden sind“, laut § 5 Abs. 2 des Tierschutzgesetzes (TSchG) verboten. Trotzdem sind Qualzuchten im Alltag allgegenwärtig.

Zum Newsletter anmelden Newsletter schließen