INTERVIEW: Es geht auch anders! – Esther Kronthaler über Transfarmation Austria

Wir befinden uns am Anfang einer dringend notwendigen Ernährungs- und Agrarwende. Transfarmation Austria unterstützt Landwirtinnen und Landwirte bei der Umstellung von tierischer zu pflanzenbasierter Landwirtschaft. Wir haben Esther Kronthaler von Transfarmation Austria gefragt, welche Hindernisse dabei zu bewältigen sind, warum von einer Veränderung alle profitieren und mehr – HIER!

Was bedeutet Transfarmation und was sind eure Ziele als Transfarmation Austria?

Transfarmation bezeichnet den Umstieg von landwirtschaftlichen Nutztierbetrieben hin zu pflanzenbasierten Betrieben, die ohne die Nutzung von Tieren arbeiten. Landwirtinnen und Landwirte sind zentrale Akteure in der Wende für eine pflanzenbasierte und nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Daher ist es wichtig, dass wir uns gesellschaftlich dafür einsetzen, einen für diese Berufsgruppe gerechten gesellschaftlichen Veränderungsprozess zu gestalten.

Unser Ziel als Transfarmation Austria ist es also, Landwirtinnen und Landwirte dabei zu unterstützen, ihren Betrieb langfristig nachhaltig und erfolgreich zu führen und ein stabiles Einkommen zu generieren, während sie sich gleichzeitig aus der Abhängigkeit von der tierischen Landwirtschaft lösen können. Zukünftig wollen wir unsere Beratungsangebot außerdem auch für die Allgemeinheit ausbauen und z.B. an Schulen, Universitäten, und landwirtschaftlichen Einrichtungen Vorträge und Seminare zum Thema Agrar- und Ernährungswende, Umwelt-, Klima-, und Tierschutz veranstalten.

Was bietet ein Umstieg weg von der Nutztierhaltung und wie unterstützt ihr bei diesem Prozess?

Unsere Beratungsleistung umfasst generelles Veränderungsmanagement, Finanzplanung, aber auch Marketing (z.B. über Social Media), strategische Planung, Positionierung, Auswahl geeigneter Kulturpflanzen und Produktspezialisierungen, etc. Unsere Beratung ist kostenlos und individuell auf die Bedingungen des einzelnen Betriebs zugeschnitten. Nach Möglichkeit wollen wir in Zukunft auch mit finanziellen Mitteln bei der Umstellung helfen.

Für die Landwirtinnen und Landwirte lohnt sich der Umstieg, da sie damit effektiv etwas für Umwelt, Natur, Tiere, und Menschen tun, und mehr im Einklang mit den eigenen Werten wirtschaften können. Zu wissen, dass man zur Agrar- und Ernährungswende beiträgt, und dadurch einen wichtigen Beitrag zum Klima-, Umwelt-, und Tierschutz leistet, während gleichzeitig einer friedvollen und sinnstiftenden Tätigkeit nachgegangen werden kann, motiviert viele.

Warum fällt es Landwirtinnen und Landwirten schwer, aus der tierischen Landwirtschaft auszusteigen?

Viele Landwirtinnen und Landwirte haben vielleicht Investitionen getätigt, einen Stall gebaut, haben einen Kredit laufen, und haben das Gefühl, deshalb wenig verändern zu können. Bäuerliche Betriebe wurden oft schon über Generationen geführt und ältere Generationen fühlen sich möglicherweise vor den Kopf gestoßen, wenn ein Betrieb umgestellt werden soll. Die hohe Arbeitsbelastung, geringes Einkommen im Verhältnis zu den Produktpreisen sowie der Druck aus der Öffentlichkeit bezüglich Tierschutz und Umweltverschmutzung führen zu Stress, Depressionen und anderen psychischen Belastungen. Oft geht es in dem aktuellen System weder Tieren noch Menschen gut. Aus diesen und anderen Gründen möchte vor allem die jüngere Generation häufig keine elterlichen Betriebe mit konventioneller Tierhaltung übernehmen. Meist sind es dann die “angeheirateten“ Frauen, die frischen Wind in einen Betrieb bringen und Veränderungen anstoßen und entscheidend voranbringen.

Immer mehr Landwirte und Landwirtinnen sind bereit, mutig Veränderungen umzusetzen, um die landwirtschaftliche Produktion umwelt- und tierfreundlich zu gestalten. Hier setzen wir als Transfarmation Austria an. Ein Ausstieg aus der Tierhaltung erfordert vor allem Mut zur Veränderung.  Indem wir den Transfarmationsprozess durch unser Beratungsangebot begleiten, setzen wir uns für eine bessere Zukunft für Menschen und Tiere ein.

Wie kam es zu Transfarmation Austria und was ist euer Hintergrund?

Doris Schneeberger hat Transfarmation Austria im März 2023 ins Leben gerufen. Sie ist Tierethikerin und Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin und forscht im Themenbereich Tierorganisationsstudien. Im Rahmen ihrer Forschung hat sie auch den Hof Narr in Zürich besucht und sich dort über die in der Schweiz bereits länger sehr erfolgreiche und nachgefragte Transfarmationsberatung informiert. Das hat sie inspiriert, auch in Österreich Landwirten und Landwirtinnen eine Transfarmationsberatung anbieten zu wollen.

Ich selbst habe meinen Master in Pflanzenbiotechnologie in den Niederlanden absolviert und bin nach einem Auslandspraktikum in Israel zu Transfarmation Austria gestoßen. Zusammen bilden wir jetzt den Kern unseres Teams.

Wie geht es weiter mit Transfarmation Austria?

Noch steht Transfarmation Austria am Anfang. Wir sind gerade dabei, das Transfarmationskonzept über Öffentlichkeitsarbeit bekannter zu machen. Gleichzeitig bereiten wir Fördermittelanträge vor und versuchen, Fördergelder von diversen Stellen einzuwerben, um mehr Ressourcen für unsere Arbeit zu generieren.

Für uns ist es aktuell essenziell, uns mit wichtigen Stakeholdern zu vernetzen und das Transfarmationskonzept bekannter zu machen, um Landwirte und Landwirtinnen andere Möglichkeiten aufzuzeigen und sie so vielleicht zu Veränderungen zu inspirieren. Hier ist auch Medienarbeit zentral. Letztes Jahr hat der ORF Vorarlberg einen Bericht über Transfarmation ausgestrahlt, in dem Doris Transfarmation Austria vorgestellt hat. Das war natürlich toll, um viele Menschen zu erreichen.

Welche Botschaft habt ihr für unsere Leser:innen?

Um eine nachhaltige Zukunft realisieren zu können und Tiere, Umwelt, und Klima schützen zu können, bedarf es einer Agrar- und Ernährungswende hin zu mehr pflanzlichen Produkten. Deshalb müssen wir alle – die Konsumentinnen und Konsumenten, die Regierungen, aber auch die Landwirte und Landwirtinnen – an einem Strang ziehen.

Daher auch unser Appell an die Politik: Wir sollten uns ein Beispiel an anderen Ländern nehmen. Die deutsche Regierung hat beispielsweise für das Jahr 2024 eine Investitionssumme von 20 Mio. € für eine pflanzenbasierten Agrar- und Ernährungswende bereitgestellt. So etwas brauchen wir in Österreich auch!

Doris Schneeberger ist die Gründerin von Transfarmation Austria. Ihr Fokus liegt neben Veränderungsmanagement und Prozessbegleitung auf Business Development. Doris ist Tierethikerin und Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin und in Forschung und Lehre an der WU Wien tätig. Ihre Leidenschaft ist es, sich für eine bessere Zukunft für alle fühlenden Lebewesen einzusetzen.

Esther Kronthaler ist seit 2023 ein zentraler Teil von Transfarmation Austria. Zu ihren Hauptaufgaben gehören Social Media, Kommunikation, Public Relations, Beratung und Fundraising. Sie hat ihren Master in Pflanzenbiotechnologie mit dem Schwerpunkt “Plants for Human and Animal Health” an der Universität Wageningen in den Niederlanden abgeschlossen. Während ihrer Studienzeit war sie Mitglied des “Wageningen Alternative Protein Project”. Ihr Lebensziel ist es, zu einer gerechten und lebenswerten Welt für Mensch und Tier auf einem gesunden Planeten beizutragen.

Sie wollen mehr über Transfarmation Austria erfahren?

Besuchen Sie die Website oder folgen Sie der Instagramseite von Transfarmation Austria!

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