Einheitliche Lebensmittelkennzeichnung statt Siegeldschungel

Ein Sieg für den Artenschutz

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Wir fordern 1fachausgezeichnet!

Damit es endlich mehr Transparenz im täglichen Einkauf und Konsum gibt, fordern wir eine einheitliche Kennzeichnung von tierischen Produkten. Dabei muss es nicht nur auf die Herkunft, sondern vor allem auf die Haltungsform der Tiere ankommen. In Zukunft sollen VerbraucherInnen somit bei jedem Einkauf und jeder Bestellung in der Gastronomie einen entscheidenden Beitrag für mehr Tierwohl, Natur- und Klimaschutz sowie für angemessene Löhne in der Landwirtschaft leisten können.

Petition

Einheitliche Kennzeichnung statt Siegeldschungel!

87 % einer repräsentativen Stichprobe aller Menschen in Österreich wollen Produkte kaufen, bei denen auf hohe Tierwohl-Standards geachtet wird. Das zeigt eine aktuelle Gallup-Umfrage, die von Tierschutz Austria in Auftrag gegeben wurde. Beinahe 60 % der Befragten erwarten sich von Gütesiegeln, dass Tierschutzkriterien angeführt werden. Fast 70 % fordern zudem, dass sowohl die Haltungsform als auch die Herkunft der Tiere bei tierischen Lebensmitteln angegeben werden sollen [1] (mehr dazu hier). Eine Haltungs- und Herkunftskennzeichnung in Gastronomie und Verkauf ist auch eine der Hauptforderungen des Tierschutzvolksbegehren von 2021. Mehr als 416.000 Menschen haben damals diese Forderungen unterstützt [2]. Doch noch bleibt viel zu tun.

Zu viele Siegel, zu wenig Kontrollen, zu wenig Tierwohl

Durch die unglaubliche Vielzahl verschiedenster Label, ist es für VerbraucherInnen schwer beim täglichen Einkauf einen Überblick, über die Haltungsbedingungen der Tiere zu behalten. Auf jeder Verpackung ist von glücklichen Tieren, höchster Qualität oder Nachhaltigkeit zu lesen. Leider stecken dahinter meist nur geschickte Marketingstrategien der Hersteller, die Tiere selbst sehen weder grüne Wiesen, noch Sonnenschein. Zur schieren Menge an Siegeln, kommt also noch das Problem der Überprüfbarkeit. Um verlässlich zu sein, bräuchte jedes Siegel ein effizientes und von unabhängigen Stellen geführtes Kontrollsystem. Dies geschieht oft nur bei hohen Tierwohl- und Bio-Siegeln. Für VerbraucherInnen ist damit unklar, welche Label tatsächlich kontrolliert werden.

NGOs versuchen deshalb seit Jahren, aufzuklären, wie viel Tierwohl hinter jeder Kennzeichnung steckt. Doch das Ergebnis sind seitenlange Tabellen, die nur schwer verinnerlicht werden können [3,4,5]. Wenig verwunderlich also, dass selbst bezüglich des bekannten und viel umworbenen AMA-Gütesiegels von Agrarmarkt Austria beim Großteil der Bevölkerung Verwirrung herrscht. Nur knapp 30 % der Befragten wissen, dass das AMA-Gütesiegel aktuell keine angemessenen Tierschutzkriterien berücksichtigt, sondern es sich vorrangig um ein Herkunftssiegel handelt [1]. Das Standard-AMA-Gütesiegel garantiert also, dass Fleisch, Milch und Eier in Österreich produziert wurden. Unter welchen Bedingungen die Tiere hier gehalten werden, spielt hingegen kaum eine Rolle. Im Gegenteil, denn bezüglich ihrer Haltungs-Richtlinien sind Lebensmittel mit AMA-Gütesiegel in den meisten Punkten nur an die gesetzlichen Mindeststandards gekoppelt. Zwar soll das AMA-Gütesiegel nun stufenweise weiterentwickelt werden, doch in der Realität sind die angekündigten Veränderungen weit von tatsächlichen Verbesserungen entfernt. Vollspaltenböden sollen etwa erst 2032 endgültig aus österreichischen AMA-Ställen verschwinden [6].

Deutschland hat bereits eine einheitliche Haltungskennzeichnung eingeführt

Dass eine einheitliche Kennzeichnung möglich ist, zeigt Deutschland. Hier einigten sich HändlerInnen 2019 auf eine 4-stufige Haltungskennzeichnung der Eigenmarken, wodurch Schweine-, Rinder-, Hühner- und Putenfleisch durch ein einziges Gütesiegel gekennzeichnet werden [7]. 2021 wurden auch verarbeitete Produkte in das Siegelsystem aufgenommen und ab 2022 wollen die teilnehmenden HändlerInnen zudem Milch und Milchprodukte entsprechend labeln [8].

Das System ähnelt dem, das wir in Österreich von Eiern kennen und beurteilt übersichtlich die Tierwohl-Qualität des Produktes. Die erste Stufe kennzeichnet Produkte aus den schlechtesten Haltungsbedingungen. Diese entsprechen lediglich den gesetzlichen Mindeststandard. Jede weitere Stufe bedeutet hingegen eine deutliche Verbesserung der Lebensumstände. Produkte der vierten und damit besten Stufe garantieren, dass den Tieren Auslauf im Freien und deutlich mehr Platz im Stall geboten werden muss [7]. In diese Haltungsform wäre auch österreichisches Biofleisch einzuordnen [8].

Obwohl die Kennzeichnung in Deutschland freiwillig ist, wurde sie bereits von fast allen großen Supermärkten umgesetzt. 2021 untersuchte Greenpeace ob sich das Fleischangebot seit der Einführung verbessert hatte und tatsächlich konnte bereits nach dieser kurzen Zeit eine Veränderung in deutschen Supermärkten festgestellt werden. Während 2020 noch über 69 % des Frischfleischangebotes aus der schlechtesten Haltungsform stammte, halbierte sich dieser Anteil 2021 auf unter 34 %. Auch Fleisch der besten Kategorie stieg von 4,2 % auf 5,9 %. Zwar besteht noch immer der Großteil des Angebots, 89 %, aus Billigfleisch der schlechtesten beiden Kategorien und es herrschen große Unterschiede zwischen den Tierarten, doch der positive Trend ist unwiderlegbar und sehr erfreulich [9].

Standard-AMA-Fleisch enthält zu viel Tierleid für Deutsche Supermärkte

Die Haltungskennzeichnung in Deutschland hat also abermals gezeigt, wie weit Österreich in Sachen Tierwohl der Nutztiere dem Zahn der Zeit hinterherhinkt. Eine aktuelle Recherche von Greenpeace ergab zudem, dass trotz der Erhöhung der AMA-Gütesiegel-Standards 2022, österreichisches AMA-Schweinefleisch nicht einmal in der schlechtesten Stufe der deutschen Haltungskennzeichnung alle Anforderungen erfüllt [8].

Da die meisten deutschen Supermärkte Fleisch aus dieser Haltungsstufe bereits ausgelistet haben oder planen, bestehende Verträge auslaufen zu lassen, könnten damit künftig mindestens 90 % des österreichischen Schweinefleisches nicht mehr in den entsprechenden deutschen Geschäften unter den Eigenmarkenlabels verkauft werden [8]. Im Jahr 2020 exportierte Österreich Schweinefleisch im Ausfuhrwert von rund 18 Mio. Euro nach Deutschland [10]. Österreichs mangelndes Engagement Tierwohl zeitgemäß umzusetzen, kostet also nicht nur Tierleben, sondern auch viel Geld.

Quellen:

[1] Gallup Institut. Meinungsumfrage: Lebensmittelkennzeichnung Tierhaltung. 2021. Download hier: https://www.tierschutz-austria.at/wp-content/uploads/2021/03/Umfrage_Tierschutz-Austria_Lebensmittelkennzeichnung-Tierhaltung_KEY_FACTS.pdf

[2] Verein zur Gründung einer Gemeinwohlstiftung in Österreich. Tierschutzvolksbegehren. 2021. https://tierschutzvolksbegehren.at/ (aufgerufen: 06.2022)

[3] Global2000. Gütesiegel-Check. https://www.global2000.at/guetesiegel-check (aufgerufen: 06.2022)

[4] Tierschutz Ombusstelle Wien. Augen auf beim Schweinefleischkauf!. 2022. Download hier: https://www.tieranwalt.at/fxdata/tieranwalt/prod/media/files/2022/20220406_Einkaufsfuehrer-Schweinefleisch.pdf

[5] WWF. Der WWF Fleischratgeber. https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/tipps-ratgeber/wwf-fleischratgeber/ (aufgerufen: 06.2022)

[6] Agrarmarkt Austria. Masterplan zur stufenweisen Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels. 2021. https://amainfo.at/en/presse/pressemitteilungen/masterplan-zur-stufenweisen-weiterentwicklung-des-ama-guetesiegels (aufgerufen: 06. 2022)

[7] Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH. 2019. https://www.haltungsform.de/ (aufgerufen: 06.2022)

[8] Greenpeace. Österreichische Schweinehaltung zu schlecht für LIDL, ALDI und Co.?. 2022. Download hier: https://drive.google.com/file/d/1BywAyDX42L7P_QIN3weDVgsIHYczDgs-/view?usp=sharing

[9] Greenpeace. Supermarkt-Check III: Auslaufmodell Billigfleisch. 2021. Download hier:  https://www.greenpeace.de/publikationen/2021-10-gpd-agrar-supermarktcheck3-final_final.pdf

[10] Statista. Wichtigste Exportländer Österreichs für Schweinefleisch 2021. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/507945/umfrage/wichtigste-exportlaender-oesterreichs-fuer-schweinefleisch/ (aufgerufen: 06.2022)

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