ERGÄNZUNG: MEDIZINISCHE KLARSTELLUNGEN (FAQ)

Da in den letzten Tagen zahlreiche medizinische Vorwürfe und Missverständnisse im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand der Katze Charlie öffentlich verbreitet wurden, möchten wir – ergänzend zu unserem bisherigen Statement – einige tierärztliche Fakten klarstellen. Diese Erläuterungen erfolgen auf Basis der vollständigen Krankenakte und der Einschätzung der Tierärzt:innen der Ordination.

 

Hatte Charlie während seines Aufenthalts im Tierschutzhaus Vösendorf Harnabsatzprobleme?

Nein.
Während der Aufenthalte im Tierschutzhaus zeigte Charlie keine Harnabsatzstörungen, keine akute Harnverhaltung und keine Symptome, wie sie in einzelnen veröffentlichten Videoaufnahmen aus der vorherigen Haltung zu sehen sind. Ein solcher Zustand ist bei uns zu keinem Zeitpunkt aufgetreten.

 

Was bedeutet der Eintrag „Blase groß“ in der Krankenakte?

Der Begriff „Blase groß“ beschreibt ausschließlich den momentanen Füllungszustand der Harnblase zum Zeitpunkt der Untersuchung.
Dabei handelt es sich nicht um einen pathologischen Befund. Ein krankhafter Eintrag wäre beispielsweise „hochgradig gefüllt“. Ungeachtet dessen wurde routinemäßig Harn untersucht, der dabei vollständig unauffällig war.

 

Welche Erkrankung liegt bei Charlie vor?

Bei Charlie wurde eine idiopathische Zystitis diagnostiziert – also eine stressbedingte Erkrankung ohne bakterielle Ursache. Diese Form der Erkrankung wird nicht durch Antibiotika geheilt, sondern primär durch Stressreduktion, Haltungsanpassung und langfristige Umweltstabilität beeinflusst.

 

Warum erhielt Charlie Tylan, obwohl bei ihm keine bakterielle Blasenentzündung vorlag?

Charlie wurde nicht individuell mit Tylan behandelt. Das Medikament wurde in diesem Zeitraum gruppenweise an alle Katzen eines Katzenzimmers über das Futter verabreicht. Dadurch nahm auch Charlie automatisch etwas davon auf. Tylan wirkt nur gegen bakterielle Erreger. Eine idiopathische Zystitis (FLUTD ohne bakterielle Ursache) wie bei Charlie wird nicht mit Tylan behandelt, weil keine Bakterien beteiligt sind. Tylan ist kein Medikament zur Behandlung dieser Erkrankung und war bei Charlie nicht Bestandteil einer gezielten Therapie. Für seine idiopathische Zystitis benötigte Charlie bei uns keine spezifische Medikation, da er im Tierschutzhaus keine Harnabsatzprobleme zeigte.

 

Hat Charlie Medikamente gegen idiopathische Zystitis erhalten?

Nein.

Während seines Aufenthalts im Tierschutzhaus benötigte Charlie keine spezifische Medikation gegen idiopathische Zystitis, da keine entsprechenden Symptome auftraten. Lediglich im Rahmen der Behandlung eines Katzenschnupfenkomplexes erhielt er den Wirkstoff Meloxicam – unabhängig von den Harnwegen.

 

Warum wurde Charlie nach dem ersten stationären Aufenthalt wieder nach Hause gegeben?

Charlie war insgesamt zwei Mal stationär im Tierschutzhaus.
Nach dem ersten Aufenthalt wurde er sehr wohl wieder an die Adoptantin zurückgegeben, da sich sein Zustand stabilisiert hatte. Erst nachdem es innerhalb kurzer Zeit zu schweren Rückfällen kam – trotz medikamentöser Behandlung zu Hause – wurde aus tierärztlicher Sicht festgehalten, die Haltungsbedingungen für dieses stresssensible Tier kurz- und mittelfristig nicht geeignet sind.

 

Warum fiel die Entscheidung, Charlie nach dem zweiten stationären Aufenthalt nicht erneut zurückzugeben?

Idiopathische Zystitis ist eine Erkrankung, deren zentraler Auslöser Stress ist.
Nachdem Charlie innerhalb weniger Wochen mehrfach so schwere Symptome zeigte, dass wiederholte stationäre Aufenthalte notwendig wurden, musste im Sinne des Tierschutzes geprüft werden, wie viel Belastung diesem Tier noch zugemutet werden kann. Die Entscheidung der Tierärzt:innen war (wie oben dargestellt) eindeutig. Die Entscheidung erfolgte ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen des Katers.

 

War Charlie dehydriert, als er Meloxicam erhielt?

Nein.
Zum Zeitpunkt der Untersuchung war Charlie nicht dehydriert. Wäre eine Dehydrierung festgestellt worden, wären Infusionen oder weitere Maßnahmen zwingend notwendig gewesen und entsprechend dokumentiert worden. Der Hydratationszustand ist – wie viele medizinische Parameter – eine Momentaufnahme und erlaubt keine Rückschlüsse auf den Zustand an Folgetagen.

 

Warum zeigen Bilder und Videos ein anderes Bild als die tierärztliche Einschätzung?

Fotos und Videos sind Momentaufnahmen.
Gerade bei stressbedingten Erkrankungen wie einer idiopathischen Zystitis sind Langzeitbeobachtung, klinische Untersuchung und Verlauf entscheidend – nicht einzelne Situationen. Auf die Dosis kommt es an. Stress wird pathologisch, wenn die Summe an Stressmomenten zu hoch wird.

 

Generell gilt:

Unser Team trifft solche Entscheidungen auf dem letzten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sie erfolgen auf Basis medizinischer Fakten, tierärztlicher Verantwortung und der Verpflichtung, Tieren unnötiges Leid zu ersparen. Wir bitten weiterhin um Respekt gegenüber allen Beteiligten und darum, das Wohl des Tieres in den Mittelpunkt zu stellen.

HINWEIS ZUR VERMITTLUNGSPRAXIS
Im Jahr 2025 konnten wir 624 Katzen erfolgreich in ein neues, liebevolles Zuhause vermitteln. Ausnahmefälle in denen trotz umfassender medizinischer Diagnostik und Beratung, eine Rücknahme und Neubewertung der Haltungsbedingungen notwendig wird, treten bei uns äußerst selten auf – meist nur alle paar Jahre. Genau in diesen Ausnahmefällen sind wir verpflichtet, die notwendige Entscheidung im Sinne des betroffenen Tieres zu treffen. Im Fall Charlie wurde unsere Angebot auf Vermittlung einer Katze ohne spezielle Bedürfnisse abgelehnt – trotz der tierärztlich festgestellten lebensbedrohlichen Situation des Katers.

 

Statement zur Katze Charlie

Wir bedauern sehr, dass dieser Fall für die ehemaligen Adoptant:innen emotional belastend ist und nun die Wahrnehmung der betroffenen Person sowie eine einseitige Darstellung des Falles öffentlich diskutiert werden. Gleichzeitig möchten wir klarstellen, dass sämtliche Entscheidungen in diesem konkreten Fall ausschließlich mit Blick auf das Wohl der Katze getroffen wurden.

Nach einer umfassenden internen Prüfung unter Einbeziehung tierärztlicher Einschätzungen, dokumentierter Beobachtungen sowie der vorliegenden Kommunikation kamen mehrere Fachpersonen zu dem Schluss, dass die bisherige Haltung zu wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen geführt hat. Vor diesem Hintergrund wurde entschieden, die Katze nicht erneut in diese Situation zurückzuführen.

Diese Entscheidung wurde der betroffenen Person mehrfach und ausführlich erläutert. Trotz dieser Gespräche haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Einschätzung der Dame in Bezug auf die Haltung des Tieres nicht mit der fachlichen Einschätzung unserer Expert:innen übereinstimmt.

Solche Entscheidungen trifft unser Team nicht leichtfertig. Als Tierschutzorganisation tragen wir Verantwortung für die Tiere, die uns anvertraut werden, und müssen in seltenen Ausnahmefällen auch dann handeln, wenn dies für Menschen schwer nachvollziehbar oder schmerzhaft ist. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um eine fachlich begründete Einschätzung im Interesse des einzelnen Tieres.

Jährlich vermitteln wir mehrere hundert Katzen erfolgreich in liebevolle Zuhause. Dass es in Einzelfällen nicht zu einer dauerhaften Vergabe kommt, ist selten, gehört jedoch zur verantwortungsvollen Tierschutzarbeit, wenn sich im Nachhinein zeigt, dass die Lebensumstände für ein Tier nicht passend sind. Unser oberstes Ziel bleibt stets, für jedes Tier jene Lebensumstände zu finden, in denen es langfristig gesund und möglichst stressfrei leben kann.

Ergänzung: Im konkreten Fall konnte die Katze Charlie aufgrund von stressbedingten Ursachen wiederholt keinen Harn absetzen. Dies führte zu einer ernsthaften gesundheitlichen Gefährdung, die aus fachlicher Sicht kein weiteres Zuwarten zuließ.

Die betroffene Katze leidet an einer idiopathischen Zystitis im Rahmen einer FLUTD-Erkrankung (Feline Lower Urinary Tract Disease), einer Erkrankung der unteren Harnwege, die besonders häufig bei männlichen Katzen auftritt. In diesem Fall liegt die Ursache nicht in Harnsteinen oder bakteriellen Infektionen, sondern in einer stress- und psychisch bedingten Problematik. Diese führte wiederholt zu einer Harnröhrenverstopfung, die einen lebensbedrohlichen Notfall darstellen kann.

Ergänzung: Richtig ist, dass Charlie als Wohnungskatze vermittelt wurde. Diese Vermittlung erfolgte in Kombination mit einem rund 20 m² großen, dauerhaft zugänglichen Außenbereich, in dem diese Haltungsform zunächst funktioniert hat. Vor diesem Hintergrund waren wir guter Hoffnung, dass sich die Haltung auch langfristig stabil entwickeln würde. Zu unserem beiderseitigen Bedauern hat sich jedoch gezeigt, dass diese Annahme im konkreten Fall nicht tragfähig war.

Da es aufgrund dieser Erkrankung erneut zu einer akuten Harnverhaltung kam, wurde die Katze bei uns stationär in der Krankenstation aufgenommen, um sie medizinisch zu versorgen und weiter zu beobachten. Im Tierschutzhaus Vösendorf zeigt die Katze – im Gegensatz zur vorherigen Haltung – keine entsprechenden Symptome. Für dieses Tier wird daher gezielt ein Platz mit Freigang gesucht, da diese Haltungsform dazu beitragen kann, Stress zu reduzieren und das Risiko eines erneuten Auftretens deutlich zu minimieren.

Ergänzung: Bilder und kurze Videoaufnahmen zeigen stets Momentaufnahmen. Gerade bei stresssensiblen Erkrankungen wie einer idiopathischen Zystitis lassen sich Belastung und gesundheitliche Risiken nicht verlässlich anhand einzelner Situationen beurteilen. Entscheidend ist hier die medizinische Beurteilung und Beobachtung über einen längeren Zeitraum.

Aus diesen fachlichen und tiermedizinischen Gründen ersuchen wir die betroffene Person, die getroffene Entscheidung im Sinne des Wohls des Tieres zur Kenntnis zu nehmen.

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