“Wundersame” Kehrtwende der Stadt.

Als 2011 bekannt wurde, dass nördlich des Wiener Heeresspitals ein Zieselvorkommen auf der Fläche eines geplanten Bauprojekts “übersehen” wurde, war die Aufregung groß, drohten doch die vom Aussterben bedrohten und streng geschützten Tiere – nicht zuletzt dank unseres Einsatzes sowie des Einsatzes der Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal – das Bauprojekt zum Scheitern zu bringen.

Im Jahr 2013 wurde den Projektwerbern von der Wiener Umweltbehörde MA 22 per Bescheid erlaubt, Ziesel von der Projektfläche “freiwillig” auf zum Teil völlig ungeeignete Ersatzflächen abwandern zu lassen. Tiere, die nicht von sich aus ein anderes Zuhause suchen, sollten durch die Zerstörung ihres Lebensraumes “umgelenkt” – man könnte auch sagen in alle Winde zerstreut – werden dürfen.

Um ein sowohl fachlich als auch europarechtlich (die kleinen Nager sind europaweit streng geschützt) äußerst zweifelhaftes Vorgehen zu verhindern, legte die IGL-Marchfeldkanal mit unserer Unterstützung gegen diesen Bescheid im Jahr 2013 Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Seither lief in der Causa gegen die Stadt Wien ein sogenanntes Pilotverfahren. Unter dem wachsamen Auge der EU-Kommission traute sich die Stadt Wien offenbar dann doch nicht, die selbst im Bescheid genehmigten Maßnahmen gegen die Ziesel umzusetzen, andernfalls hätte das Pilotverfahren in eine Mahnung oder gar eine Klage gegen Österreich vor dem EuGH münden können.

Nun teilte die Stadt Wien der EU-Kommission offiziell mit, dass der Bescheid ausgelaufen sei und nicht mehr angewendet werden könne, womit die EU-Kommission das Pilotverfahren auch beendete. Klar ausgedrückt heißt das: Die Stadt Wien gibt quasi selbst zu, dass der Bescheid so schlecht gewesen sein dürfte, dass er gar nicht umsetzbar war bzw. nicht umgesetzt werden konnte ohne EU-Recht zu verletzen. Weiters gab die Stadt bekannt, dass der Zieselbestand auf der Projektfläche inzwischen sogar zugenommen habe.

Erfolg für Wiens Ziesel

Die Zunahme von 160 auf über 300 Ziesel ist tatsächlich ein schöner Erfolg für uns sowie die IGL-Marchfeldkanal, der ohne EU-Beschwerde und Verhinderung des untauglichen Bescheides kaum möglich gewesen wäre. Acht Jahre nach Bekanntwerden des Vorkommens beim Heeresspital ist der wichtigste Teil der bedrohten Fläche weiterhin Ziesellebensraum, in dem sich Ziesel äußerst wohlfühlen, wie die Zunahme der Population beweist. Insgesamt leben in der Umgebung des Heeresspitals ca. 800 bis 1000 Ziesel.

Inzwischen scheint die Stadt Wien eine 180 Grad Drehung in punkto Ziesel vollzogen zu haben und sieht das Vorkommen nun als eine der “drei sehr großen Populationen mit > 500 Tieren” an, welche aufgrund ihrer Größe als Quellpopulation für die Besiedlung der Umgebung dienen können und somit für den Fortbestand dieser vom Aussterben bedrohten Tierart in Wien enorm wichtig sind.

Dazu sagt unsere Präsidentin Madeleine Petrovic: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Vor einiger Zeit kamen von der Stadt Wien noch ganz andere Töne. Da die Stadt allerdings nun die Wichtigkeit dieser Population eingesehen hat, kann man sicherlich davon ausgehen, dass bei zukünftigen Projekten, die den Lebensraum beim Heeresspital betreffen, besonders strenge Maßstäbe angelegt werden und jegliche Schädigung des Vorkommens von der Behörde umgehend unterbunden wird.