Stress und Immunsystem

Tierquälerei – was tun?

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Zuviel Stress macht krank – Stress und Immunsystem

Das Immunsystem eines Lebewesens ist sehr komplex. Oft spricht man von zwei Teilen, einem angeborenen und einem erlernten Immunsystem. Das angeborene umfasst auch unsere Haut und sämtliche Schleimhäute, die als direkte Schutzbarrieren gegen Verletzungen und eindringende Fremdkörper dienen. Indem es sofort unspezifische Fresszellen losschickt, welche Bakterien oder Viren unschädlich machen, sorgt es für eine wichtige erste und vor allem schnelle Immunantwort. Das erlernte Immunsystem arbeitet unter anderem mit Antikörpern, die erst spezifisch auf die Erreger angepasst werden müssen und damit effektiver, aber langsamer auf eine Infektion reagieren können. Im Falle eines neuen Erregers, hat der Körper noch keine passenden Antikörper parat und deren Neubildung dauert ihre Zeit. Ein Grund mehr, weswegen die Funktion des angeborenen Immunsystems unerlässlich ist, um eine Infektion sofort zu bekämpfen und so lange in Schach zu halten, bis das effektivere erlernte Immunsystem eingreifen kann.

Einflussfaktoren

Das Immunsystem von Mensch und Tier wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Geschlecht, Ernährung, Licht, Alter und Bewegung spielen eine wichtige Rolle. Vor allem aber auch die psychische Gesundheit hat einen enormen Einfluss. Mittlerweile gibt es eine eigene interdisziplinäre Forschungsrichtung, die sich mit dem Zusammenspiel von Psyche, Neurologie und Gesundheit beschäftigt: Psychoneuroimmunologie. Prinzipiell ist eine Stressreaktion wichtig und richtig. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt: Puls-, Blutdruck und Atemfrequenz steigen, Muskeln in Armen und Beinen werden verstärkt mit Blutzucker versorgt und auch das Immunsystem wird aktiviert. Der Körper geht in den berühmten „Fight or Flight“-Modus über. Im Falle einer Verletzung sorgt die Immunaktivierung für eine schnell einsetzende Wundheilung und verhindert die Ausbreitung lokaler Infektionen.

Problematisch wird es, wenn Stress lange andauert. Bereits in den 1970er-Jahren stellten Forscher fest, dass dauerhafter Stress die Immunabwehr bei Mäusen schwächt. Bleibt dem durch Stress dauerhaft aktiven Immunsystem keine Ruhepausen, erschöpft es sich. Die Wundheilung wird zunehmend verzögert, der Körper wird anfälliger für Infektionen und chronische Erkrankungen nehmen zu. Dauerstress ist vor allem auch dann gefährlich, wenn es um die Bekämpfung neuartiger, für das Immunsystem unbekannter, Erreger geht. Das durch chronischen Stress konstant in den Blutstrom abgegebene Cortisol, schwächt vor allem das angeborene Immunsystem, wodurch keine effektive Erstbekämpfung eines neuen Erregers in Gang gesetzt werden kann. Bis das erlernte Immunsystem mit neu gebildeten Antikörpern aktiv werden kann, kann sich der fremde Erreger ungehindert ausbreiten und Schaden anrichten.

Schlummernde Krankheiten

Eine stressinduzierte Schwächung des Immunsystems begünstigt zudem auch den Ausbruch schlummernder Krankheiten. Ein bekanntes tierisches Beispiel sind die felinen Corona-Viren bei Katzen. Viele Katzen, Schätzungen rechnen mit bis zu 70 %, sind Träger von Coronaviren. Bei circa 5 bis 10 % bricht dadurch im Laufe des Lebens die tödliche Krankheit felinen infektiösen Peritonitis (FIP) aus. Ausgelöst wird FIP durch eine Kombination aus Umständen: Zum einen muss eine gefährliche Mutation der Coronaviren entstehen, zum anderen begünstigt ein geschwächtes Immunsystem erheblich die Ausbruchswahrscheinlichkeit. Tierschutz Austria vergibt deshalb in der Regel keine mit felinen Corona-Viren infizierte Katzen, da der Stress, der mit einem Ortswechsel verbunden ist, unter Umständen bereits für einen Ausbruch von FIP genügt. Auch das canine Parvo-Virus, Erreger der gefürchteten Parvovirose bei Hunden, befällt vor allem ungeimpfte Welpen, deren mütterlicher Antikörper-Titer bereits unter eine schützende Schwellenkonzentration gesunken ist und deren körpereigene Antikörperproduktion erst begonnen hat. Durch seine immunschwächende Wirkung verschlechtert Stress die Prognose bei infizierten Tieren weiter. Ein Problem das gerade bei Hunden aus dem illegalen Welpenhandel ein reales Problem darstellt.

Um uns selbst, wie auch unsere tierischen Mitlebewesen vor Krankheiten zu schützen, ist also auch ein angepasstes Stressmanagement von Nöten. Dazu gehören eine artgerechte Haltung und ein geregelter Alltag.

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