Kuh mit Kalb

Der Fuchs die Gans, das Virus. Eine Fabel.

Durch Schaden wird man klug. Oder auch nicht

Unsere Vereinspräsidentin Madeleine Petrovic zur aktuellen Corona-Lage:

Eine Fabel erzählt von dem Fuchs, der eine Gans fressen wollte. Die Gans hatte einen letzten Wunsch. Sie bat den Fuchs darum, noch einmal tanzen zu dürfen. Der Fuchs willigte ein. Die Gans begann zu tanzen, hüpfte und öffnete die Flügel und tanzte so in ihrer Art vor dem Fuchs. Nachdem sie einige Zeit getanzt hatte, flog sie davon. Da ging der Fuchs leer aus und sprach: „Wie diesmal soll es mir gewiss nicht wieder ergehen: Vor dem Essen ist kein Tanzen mehr!“

Fabeln wollen uns lehren, sollen einen guten Rat vermitteln. Was einmal schiefgegangen ist, wird vermutlich wieder Schäden verursachen. Eine Änderung des Verhaltens ist angesagt. In vielen Bereichen des Lebens haben Menschen aus den Schäden, die frühere Generationen erlitten haben, gelernt. Der Untergang von Pompeji, der sträfliche Hochmut vor dem Fall von Atlantis oder Babylon oder auch das Schicksal der Titanic haben zusammen mit tragischen Berichten über viele, viele Katastrophen dazu geführt, dass es heute eine Fülle von Sicherheitsvorschriften bei Bauten und Verkehrsmitteln gibt bzw. dass Frühwarnsysteme zumindest hohe Opferzahlen im Fall von Naturkatastrophen verhindern sollen. Die verheerenden Auswirkungen der Super-Gaue in den AKWs von Tschernobyl, Three Mile Island oder Fukushima haben den Großteil der Menschheit davon überzeugt, dass die Risiken der Kernkraft einfach zu hoch sind. In manchen Bereichen sind Menschen durch große Schäden klüger geworden.

In Sachen der Bekämpfung von Seuchen und Pandemien, die durch das Überspringen tierischer Krankheitserreger auf Menschen verursacht werden (Overspill), ist genau das Gegenteil der Fall.

Während Virologinnen und Virologen im Verbund mit der Politik immer neue und härtere Einschränkungen für Gesellschaft und Wirtschaft ausarbeiten, scheint es nach wie vor unmöglich zu sein, im Umgang mit Tieren auch nur ein Quäntchen Vernunft umzusetzen. Wir wissen spätestens seit dem Ausbruch des Rinderwahns BSE – ich habe dazu 1994 die ersten parlamentarischen Anfragen gestellt und bin fast durchwegs auf Unverständnis gestoßen: Die Art und Weise, wie Nutztiere zusammengepfercht, mit Kraftfutter und Antibiotika gedopt und grausam über tausende Kilometer verfrachtet und schließlich brutal getötet werden, macht krank. Stress ist der Trigger für viele Krankheiten, Stresshormone und Antibiotika belasten die menschliche Nahrung permanent. Todesangst und unsägliches Leid der gefangenen und auf Märkten verkauften Wildtiere oder der artwidrig gehaltenen Pelztiere sowie die kaum bekannten schlimmen Zustände in so genannten Aquakulturen machen tierische Krankheitserreger zu Zeitbomben für die menschliche Gesundheit.

Zeichnet sich ein Umdenken ab? Führt der wohl größte wirtschaftliche Schaden seit den Weltkriegen (ganz abgesehen von dem menschlichen Leid und der Trauer um die Verstorbenen) endlich dazu, dass die Warnungen der Tierschützerinnen und Tierschützer von der Politik ernst genommen werden?

Ganz und gar nicht. Immer noch verweigern die Lobbyisten der industriellen Massentierhaltung die Einführung von verbindlichen Kennzeichnungen und die Abschaffung aller nicht artgerechten Formen der Haltung und Fütterung von Nutztieren bzw. das Verbot von qualvollen Langstreckentransporten oder von nicht entwöhnten Kälbern.

Gibt es von den Staaten oder der EU getragene Initiativen, um eine Reduktion des Fleisch- und Milchkonsums bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität und der Entgelte für die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu erreichen? Nein, es wird weiter Werbung für noch mehr billiges Fleisch gemacht.

Gibt es Transparenz und Informationsfreiheit hinsichtlich der Art der Erzeugung unserer Lebensmittel? Nein, es gibt vielmehr immer noch Bemühungen, die Strafen für Tierschützerinnen und Tierschützer, die über Missstände in Stallungen informieren, zu verschärfen.

Wir wissen: Die nächste Pandemie kommt sicher, die Schäden werden irgendwann nicht mehr tragbar sein.

Was also? Ich plädiere für rasches Lernen und Handeln, sonst tanzen und fliegen nicht die Gänse, sondern die Viren.

Eure Madeleine Petrovic