Angst Hund Silvester Feuerwerk Österreich

Dringender Appell an den Innenminister: Jegliche Belastung für Mensch, Tier und Umwelt vermeiden!

Einige Städte und Gemeinden Österreichs sowie Staaten wie die Niederlande haben sich dazu entschlossen, Feuerwerke aufgrund der COVID-19 Pandemie heuer auszusetzen oder zu verbieten. Einzelne Bundesländer denken laut darüber nach und auch unser Nachbarland Deutschland überlegt, die Böllerei heuer ausfallen zu lassen, oder sogar generell zu verbieten. Eine Entscheidung, die wir sehr begrüßen und die – angesichts der Umstände – eigentlich nur als logisch und vernünftig bezeichnet werden kann.

Ein Umdenken ist überfällig und diese Vernunft sollte in ganz Österreich Einzug halten. Leider geht man aktuell in den Bundesländern unterschiedlich mit dem Thema um. In Zeiten von Corona sollte die Gesundheit von Mensch und Tier jedoch absolute Priorität haben.

Gefahr für Mensch

So haben die Niederlande das Pyrotechnik-Verbot eingeführt, um die Krankenhäuser während der Pandemie zu entlasten. Angesichts der Situation in Österreich wäre auch die Alpenrepublik gut beraten, ein entsprechendes Verbot zu erlassen. Denn laut Kuratorium für Verkehrssicherheit verletzten sich über 200 Personen rund um Silvester beim Böllern so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Kapazitäten, die man aktuell für Corona-Patienten nützen sollte.

Zudem gibt es durch die generelle Feinstaubbelastung laut einem Expertenbericht rund 3.800 vorzeitige Todesfälle in Österreich pro Jahr, die Zahl der am Coronavirus verstorben Personen hat kürzlich die traurige 4000er Marke passiert. Höchste Zeit, zu handeln: Wir erneuern hier den dringenden Appell an den Innenminister von Ende Oktober, gerade in Corona-Zeiten alle unnötigen Lungen-Gefahren und alle zusätzlichen Aufgaben für die Polizei zu vermeiden.

Eine entsprechende Überarbeitung des Pyrotechnikgesetztes und eine Verschärfung ebendieses sind überfällig. Erstere ist im Regierungsabkommen vereinbart.

„Es ist unverantwortlich, dass man gerade zu einer Zeit, wo Spitäler an ihre Grenzen stoßen, eine vermeidbare Belastung in Kauf nimmt. Überdies fragen wir uns, was der Innenminister unserer Polizei eigentlich noch alles zumuten will? Diese stößt ohnehin jedes Jahr an Silvester durch zig Verstöße gegen das Pyrotechnikgesetz an ihre Grenzen“, sagt Vereinspräsidentin Madeleine Petrovic.

… und für Tier

Das Leid der Tiere durch pyrotechnische Gegenstände ist nicht weniger schlimm. Haustiere geraten in Panik und Stress, ebenso wie die tausenden Wildtiere, deren Leid man vielleicht nicht auf den ersten, aber auf den zweiten Blick sieht. Viele von ihnen verletzen sich bei Fluchtreaktionen schwer oder sterben gar. Wildtiere, Hunde und Katzen nehmen den ohrenbetäubenden Lärm, die hellen Blitze und die unbekannten Gerüche stets als lebensbedrohliche Situation wahr. Die durch Knallkörper ausgelöste Panik führt zu stressbedingter Desorientierung, sodass flüchtende Tiere Hindernissen nicht mehr rechtzeitig ausweichen können.

Im Tierschutzhaus Vösendorf lässt sich das immense Tierleid jedes Jahr auf traurige Weise beobachten: „Zum Jahreswechsel und bereits die Wochen davor stehen unsere Schützlinge unter Dauerstress. In etlichen Fällen dauert es Monate, kostet viel Mühe, und Geld und Trainings-Stunden, bis die Angst- und Panikattacken wieder nachlassen. Auch Trainingsfortschritte bei unseren Hunden, die sie sich ein ganzes Jahr erarbeitet haben, werden in einer Nacht zerstört“, so Petrovic.

Auch heuer Schutz durch Exekutive?

Eigentlich ist Knallerei in besiedelten Gebieten komplett verboten, besagt im Übrigen auch das Pyrotechnikgesetz – ganz besonders in der Nähe von Tierheimen, Krankenhäusern oder Altersheimen. Die Realität sieht anders aus. Daher wäre auch heuer wieder die Anordnung von Sperren zumindest in der unmittelbaren Umgebung des Tierschutzhauses und anderen Orten, wo sich empfindsame Lebewesen aufhalten, wünschenswert, um die ärgsten Auswüchse der Knallerei zu verhindern.

WK-Studie: Verharmlosung nicht angebracht

Mit großer Vorsicht ist die Studie zur Feinstaubbelastung von Feuerwerkskörpern, die von der Wirtschafskammer (von jener Sparte, zu der auch die pyrotechnische Industrie gehört), jüngst propagiert wurde, zu genießen. Sie weist pyrotechnischen Gegenständen nur eine geringe Schuld an der Feinstaubbelastung für unsere Umwelt zu. Die erste Studie, die reale Daten und keine „fake news“ ausweist, lautet die vollmundige Aussage von jener Branche, die mit Pyrotechnik jährlich Millionen verdient. Eine Studie, die auf Erhebungen aus Deutschland basiert und nicht alle Gattungen an Feuerwerks- und Knallkörpern berücksichtigt.

Was macht der Einzelhandel?

Letztendlich sollten sich auch die Einzelhandelsriesen, die sich gerne Tierwohl auf die Fahnen schreiben, hinterfragen, ob der Verlauf von Feuerwerk wirklich mit tierfreundlichen und auch in punkto Corona mit menschlichen Interessen noch vereinbar ist. Drohende Umsatzeinbußen können in einem Rekordjahr für Handelsketten kein valides Argument sein.

Für uns ist die Forderung daher klar: Ein generelles Verbot von Feuerwerkskörpern für den Privatgebrauch. Tier-, umwelt- und menschenfreundliche Alternativen gibt es mittlerweile genügend.