Ein Tag mit der Vienna Tschick Challenge

Entenküken wurden ausgesetzt

https://www.tierschutz-austria.at/wp-content/uploads/2021/04/Entenbabys.jpg Zwei Enten wurden am Straßenrand entsorgt. Sie …

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Am ersten Donnerstag im Feber 2022 durfte Tierschutz Austria die Vienna Tschick Challenge bei einer ihrer Sammelaktionen begleiten. Die Vienna Tschick Challenge ist eine Privatinitiative, die von Irene Holloway ins Leben gerufen wurde. Die Initiative läuft in Kooperation mit PädagogInnen und SchülerInnen des Schulzentrums Herchenhahngasse, die mehrmals die Woche rausgehen, um Tschickstummel und auch anderen Müll aufzusammeln. Ihre Sammelergebnisse posten sie dann auf ihrem Instagram-Kanal, um auch andere Menschen auf das Problem aufmerksam zu machen. Auf den Bildern stapeln sich schiere Massen an Zigarettenstummeln. Wir waren also gespannt, was uns erwarten würde.

Angekommen an der Schule wurden wir von einer kleinen Truppe, bestehend aus Irene, weiteren PädagogInnen und SchülerInnen, herzlich begrüßt. Wir bekamen noch Handschuhe und schon konnte es losgehen. Unser Ziel war eine Wohnhaussiedlung direkt in der Nähe der Schule. Schon auf dem Weg dorthin mussten wir immer wieder anhalten, um Tschickstummel am Straßenrand aufzulesen. Einmal beachtet, wurde schnell klar, dass Tschickstummel tatsächlich überall zu finden sind, zwischen Pflastersteinen, in Ritzen und Spalten des Gehsteigs und auf jedem noch so kleinen Flecken Wiese. Schon auf unserem kurzen Weg von nur ein paar hundert Metern – eine Strecke, die Irene und ihre SchülerInnen mehrmals wöchentlich abgehen – sammelten wir mehrere hundert Tschickstummel. In der Wohnhaussiedlung angekommen, standen wir vor einer vermeintlichen Grünfläche, doch eigentlich erstreckte sich vor uns ein Meer aus Tschickstummeln, die wie Konfetti verteilt auf der Wiese lagen. Gerade mit dem Wissen, welch riesiges Umweltproblem Tschickstummeln darstellen, waren wir bei diesen Zigarettenmengen in einer so kleinen Fläche sprachlos.

Das Meer aus Tschickstummeln auf  der Wiese

Doch dieses Bild ist leider kein Einzelfall. Allein in Wien werden jährlich 868 Millionen Zigaretten achtlos auf den Boden entsorgt [1]. Und es ist ein weltübergreifendes Problem: Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 4,5 Billionen (also 4.500.000.000.000!) Zigarettenstummel unsachgemäß in der Umwelt entsorgt werden [2]. Mit am problematischsten daran ist, dass die Zigarettenstummel hochtoxische Substanzen, wie Nikotin enthalten, die auf diese Weise in die Natur gelangen. Ein einziger Zigarettenstummel in einem Liter Wasser reicht aus, um 50 % der darin schwimmenden Fische zu töten. Zusätzlich dazu, bestehen die Zigarettenfilter größtenteils aus Cellulose-Acetat, welches Jahrzehnte braucht bis es oberflächlich aus unserer Umwelt verschwunden und dann größtenteils zu Mikroplastik zersetzt worden ist. Mikroplastik zählt zu den größten Umweltproblemen der modernen Welt. 3.200.000 Tonnen landen jährlich in unserer Umwelt und 1.500.000 Tonnen davon enden letztlich in den Meeren, werden von kleinen Lebewesen gefressen und somit in die Nahrungskette integriert, die bis zu uns Menschen reicht [3].

Auch wir konnten an diesem Tag Zigaretten in unterschiedlichen Verrottungsstufen sammeln. Tschicks, die vollkommen ausgeblichen waren und vermutlich schon über Monate hinweg ihre Giftstoffe und Mikroplastik an die Umwelt abgegeben haben, lagen neben noch frisch glänzendem orangen Filterpapier. Nach nur zwei Stunden, mit kurzer Teepause, hatten wir über 5000 Tschickstummel gesammelt. Ein gerade einmal durchschnittliches Ergebnis der Vienna Tschick Challenge.

Natürlich ist das Sammeln einer einzelnen Schule ein Kampf gegen Windmühlen. Auch auf unserem Rückweg lagen bereits neue Tschick auf den frisch abgesammelten Plätzen. Doch die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit, die von der Vienna Tschick Challenge für die Bevölkerung geleistet wird, kann und wird hoffentlich Wellen schlagen. Auch wir von Tierschutz Austria sehen nun überall die kleinen, giftigen Tschickstummel zwischen Gräsern und Asphalt hervorblitzen. Ein wichtiger Ansatzpunkt, um etwas zu verändern, ist die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Sammelaktionen wie die Vienna Tschick Challenge lenken die Aufmerksamkeit auf ein Umweltproblem, dass so unglaublich einfach, wie kaum ein anderes, zu lösen wäre: Leute, werft eure Tschick in den Müllkübel, nicht darunter.

Um bei der Aufklärungsarbeit weiter zu helfen, hat Tierschutz Austria in Kooperation mit der Vienna Tschick Challenge einen Flyer kreiert, der die wichtigsten Fakten über die Umweltverschmutzung durch Tschickstummel kurz und knapp zusammenfasst. Hier downloaden

Der Sammeltag war auch für uns prägend. Viele humorvolle, engagierte Menschen kamen zusammen, die mit Freude und Witz an einer gemeinsamen Sache gearbeitet haben, um die Zukunft besser und nachhaltiger zu gestalten. Man möchte nicht glauben, wie viel Spaß Müll einzusammeln, damit machen kann. Doch unser größter Respekt geht an all die Personen um die Vienna Tschick Challenge, die sich dabei regelmäßig und bei jedem Wetter für eine saubere Umwelt einsetzen. Kleine Anmerkung: Auch für alle Menschen, die noch nach einem umweltfreundlichen Workout suchen, können wir das Tschicksstummelsammeln wärmstens empfehlen – uns hat der Muskelkater in den Oberschenkeln noch zwei Tage lang verfolgt.

Ein paar Tage später wurde die Sammelaktion auch vom ORF und Radio begleitet und erreichte so mehrere tausend Menschen in Österreich.

[1] (Der Standard) Kainrath, Verena, “Weggeworfene Zigarettenstummel sind Giftcocktail für die Natur,” 2019. https://www.derstandard.at/story/2000101118247/weggeworfene-zigarettenstummel-sind-giftcocktail-fuer-die-natur.

[2] M. C. B. Araújo and M. F. Costa, “A critical review of the issue of cigarette butt pollution in coastal environments,” Environ. Res., vol. 172, pp. 137–149, May 2019, doi: 10.1016/j.envres.2019.02.005.

[3]    WWF, “Mikroplastik ist überall,” 2020. https://www.wwf.de/themen-projekte/plastik/mikroplastik.

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